Wem gehört die Angst (Slime)? In Memory Carlo Giuliani

Als Menschenrechtsgruppe haben wir bereits Anfang dieses Millieniums in einer Stellungnahme zu unserem Engagement gegen Atomenergie und Atomwaffen auf den Zusammenhang zu Menschenrechtsverletzungen und Ökozid in indigenen Gebieten hingewiesen. Gleichzeitig haben wir aber auch den argumentativen Bogen zur Notwendigkeit antikapitalistischer Globalisierungspolitik gespannt. Und genau aus diesem Grunde sind eben diese sehr unterschiedlichen Kontexte seit 2018 in Teilen unserer Lesereisen “Ein Leben für die Freiheit – Leonard Peltier und der indianische Widerstand” thematischer Fokus: 2018 im Hambacher Wald, 2019 ebenda, bei Fridays for Future in Offenbach und zum Thema”Water is Life” in Hamburg, 2020 im Dannenröder Wald, in Lützerath und Keyenberg und im Hambacher Wald, 2021 in Seligenstadt und beim Klimacamp am Dannenröder Wald. Hier zeigen wir die zwingende Notwendigkeit auf Umwelt, Menschenrechte, den Kampf der Indigenen, soziale Kämpfe und antikapitalistische Aktion so zu verbinden, dass diese Logik für alle Menschen verständlich wird und dies zu international solidarischen Handeln anregt. Es war daher nie eine Frage, dass wir als Organisation auch zu den G-8-Protesten aufriefen und zum Teil auch teilnahmen. Heute erinnern wir an diese Proteste vor 20 Jahren in Genua, die von einer entfesselten italienischen Staatsmacht in einem Meer aus Tränen und Blut ertränkt wurden. Unter der Regierung Berlusconi übernahmen in der Genueser Einsatz­zen­tra­le die Kommandostrukturen des italienischen Innenministeriums die Kontrolle und damit solche Postfaschisten der Alleanza Nazionale wie Gianfranco Fini (stellvertretender Ministerpräsident Italiens) und Filippo Ascierto. Letzterer hatte denn auch verkündet: „Sie (die Demonstrant*innen) werden nicht ruhig schlafen, denn wir werden sie holen. Einen nach dem anderem.“ Und dann am 20. Juli 2001 holten sie Carlo Giuliani, der von dem 20-jährigen Wehrdienstleistenden Mario Placanica kaltblütig ermordet wurde. Neben diesem Mord gab es hunderte Schwerverletzte, teils noch später in der Haft verhöhnt und gefoltert. Der italienische Staat ermutigte die eingesetzten Einsatzkräfte zu bislang nie vorgekommenen Gewaltexzessen, die sich in blindem Blutrausch, Mißhandlungen, sadistischen Quälereien ausdrückten. Und eine gleichgeschaltete “Justiz” setzte diesen Staatsterrror fort und verurteilte einzelne Aktivista zu langjährigen Haftstrafen. Davon ist eine Person heute noch inhaftiert. 300.000 Menschen, die sich bei aller Unterschiedlichkeit für eine bessere, für alle gerechte und lebenswerte Welt einsetzten, bekamen die Fratze des Faschismus und Kapitalismus als Nahaufnahme zu sehen. Juristische Folgen für diesen Politik-, Polizei- und Justizterror gibt es natürlich mal wieder nicht, wen wundert es? Wir erinnern an diesem Tag daher an die vielen Verletzten, Traumatisierten, Verhafteten und Verurteilten und vor allem an Carlo Giuliani. Und in Verantwortung aus diesen Erinnerungen stehen wir heute mehr denn je zuvor für ein Bündnis aller fortschritlichen Kräfte, die aus Gründen der Menschenrechte, des Umweltschutzes, der sozialen Gerechtigkeit, dass sich verstärkt gegen kapitalistische Profitgier und totalitäre Politik jedweder Art engagiert. Oder wie es Jean Ziegler in seinem neuen Buch “Was ist so schlimm am Kapitalismus” feststellt: der Kapitalismus ist unreformierbar und nicht in seiner Profitgier zu zähmen und muss daher “radikal zerstört” werden. In diesem Sinne begrüßen wir auch die indigenen Delegationen aus Mexiko bei deren Reise durch den Kontinent “ihrer Kolonisateure”. Lasst uns gemeinsam Wege finden, diesen zerstörerischen Wahnsinn zu beenden – hier, in Chiapas, in Brasilien und überall.

Anbei zwei Links zu lesenswerten Artikeln in der TAZ: https://taz.de/20-Jahre-Proteste-gegen-G8-in-Genua/!5781435/ und https://taz.de/20-Jahre-nach-G8-Protesten-in-Genua/!5781642/

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