Vortrag an Frankfurter Gymnasium zu Geschichte und Gegenwart des indigenen Amerikas

Es war ein kleines Jubiläum als am 28.1.2020 zum fünften Male Umwelt- und Menschenrechtsaktivist, Mitgründer und Vorsitzender von Tokata-LPSG RheinMain, Wissenschaftler und Autor Michael Koch am Friedrich Dessauer Gymnasium in Frankfurt – Höchst einen Vortrag über Geschichte und Gegenwart des indigenen Nordamerikas hielt. Auch dieses Jahr war die große Aula mit knapp 250 Schüler*innen der 12. Klassen wieder gut belegt. Seit Beginn der Vorträge Januar 2016 haben somit fast 1000 Schüler*innen der Schule diesen Veranstaltungsblock besucht.

Im Lehrplan der 12. Klassen ist die Thematik im Curriculums-Teil “USA” des Englisch-Unterrichts eingebaut. Allerdings sieht das Curriculum beim Thema USA keinerlei Vertiefung zum indianischen Amerika vor. Die Vortragsreihe entstand aufgrund der Initiative einer engagierten Lehrkraft und wird seit Beginn von der gesamten Schule und dem Förderverein der Schule unterstützt. In 90 Minuten führte Michael Koch durch das komplexe Thema, setzte sich mit Klischees über die Indigenen auseinander, zeigte die Vielfältigkeit indigener Kulturen und deren zum Teile hohe zivilisatorische Entwicklung anhand von Städtebau, Naturgestaltung, Wissenschaft und Landwirtschaft im vorkolumbianischen Amerika (auch im Norden) und strafte damit diejenigen als Lügner, die einst und jetzt von unterentwickelten, unwissenden, primitiven Wilden sprachen/sprechen. Einen großen Raum im Vortrag nahm die facettenreiche Völkermordgeschichte an den Ureinwohner*innen Nordamerikas ein. Genannte Aspekte waren Landraub und Vertreibung, militärische Angriffe und Massaker, die Ausrottung der Bisons und die Umsiedlung in Reservate, die Zwangsumerziehung in Internatsschulen, Zwangsadoption indianischer Kinder und Zwangssterilisation indigener Mädchen und Frauen – gerade die letzteren Formen waren noch gängige Praxis bis zu den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts in den USA und Kanada. Dass aus dieser Geschichte irgendwann auch wieder Widerstand erwachsen würde, zeigte der Vortrag ebenfalls auf und konzentrierte sich dieses Jahr dabei auf aktuelle Konflikte und Kämpfe im Zusammenhang mit Umwelt-, Menschenrechts- und allgemein indigenen Belangen. Dabei haben viele dieser Kämpfe auch mit der anhaltenden Ausbeutung von Indigenen und Natur für den Wohlstand der Industrienationen und die damit verbundenen Kapital- und Staatsinteressen aber auch unserem unmittelbarem Luxus zu tun. Somit in der Neuzeit angekommen schloss zum Abschluss eine Beschreibung von Lebensbedingungen in Reservaten den Vortrag ab, zeigte aber neben all den vielen Problemen auch die Hoffnungsschimmer. Diese liegen vor allem in den indianischen Grassroot-Projekten im Bereich Umwelt, Menschenrechte, indigene Vertragsrechte, Frauen & Soziales, in den zahlreichen indigenen Protest- und Widerstandsaktionen, in einem vorfindbar hohen Maß an künstlerisch-kreativen Aktivitäten (Musik, Malerei, Skulpturen, Literatur, Medien ….) und einem unbesiegbaren Humor. Ein Musikvideo zum Thema “Pipeline-Proteste” faste zum Abschluss all die eben genannten Elemente von politischem Protest, Widerstand, indigenen Forderungen, Umwelt und indigener Kultur/Tradition einst und jetzt zu wuchtigen HipHop-Beats, pointiertem Rap und mit markanten Cuts zusammen und verband dabei schlagartig die unterschiedlichen Lebenswelten junger Menschen in den USA und in Frankfurt-Höchst. Es ist eine alte weltweite indigene Weisheit: dem Beat kann der Mensch sich nicht entziehen.

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