20 Jahre Oglala Commemoration Day-ein Kurzbericht direkt von vor Ort

Es ist wieder ein trauriges Jubiläum, dass am 26.6.2019 der 20. Oglala Commemoration Day und 6. Leonard Peltier Day stattfand. Traurig, weil Leonard Peltier seit über 43 Jahren inhaftiert ist; Traurig, da es seitens Politik und Justiz keinerlei Bereitschaft gibt, Licht in einen der größten Justizskandale des 20. und 21. Jahrhunderts zu bringen; Traurig, da immer weniger Menschen am jährlichen Gedenktag teilnehmen.

Das Positive sollte aber nicht unterschlagen werden. Seit 20 Jahren organisiert eine engagierte Gruppe den Oglalal Commemoration Day; seit 20 Jahren kommen immer wieder zahlreiche Menschen, um an das Geschehene von 1975 und dessen Folgen bis heute zu gedenken, seit 20 Jahren läuft bei extremer Hitze ein Teil der Peltier-Supporter die ca.einstündige Strecke zu Fuß: Da sind Lakota und andere Natives; da sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene und Alte; Frauen und Männer; Gesunde und Kranke; Non-Natives aus den USA und Europa. Alle vereint im Gedenken an Leonard Peltier, der aufgrund der 1975er Vorkommnisse inhaftiert ist. Aber auch vereint im Gedenken an die drei Toten von 1975, neben den FBI-Agenten Coler und Williams vor allem der junge Lakota Joe Stuntz. Nach Ankunft des Laufes vom Friedhof Oglala beim Jumping Bull Gelände, wo vor 44 Jahren der Schusswechsel stattfand, verlas Frederick Cedar Face einen aktuellen Brief Leonard Peltiers. Beim anschließenden Dinner in der Brother Rene Hall in Oglala waren nochmals einige Unterstützer*innen Peltiers zusammengekommen. Verglichen mit früheren Jahren waren dies aber nicht mehr allzuviele. Entsprechend war die Stimmung bei den Organisatoren etwas gedämpft, eine Strategiedebatte dürfte vor dem nächsten Commemoration Day angezeigt sein. Vor Beginn der Aktion in Oglala gab es eine Liveschaltung zur Peltier-Mahnwache in Leipzig, so dass die dortigen Teilnehmer*innen ein paar Impressionen vom heutigen Tag aus Süd – Dakota vermittelt bekamen. Für viele in Oglala war dies eine stärkende Nachricht, dass zeitgleich in Deutschland sich ebenfalls Menschen für Peltier einsetzten und ihre solidarischen Grüße in die Pine Ridge Reservation sendeten. Solidarität ist eben keine Einbahnstraße und Solidarität verbindet, wenn sie denn nicht als bloße Sprachhülse und verordnete Aktion vermittelt wird, sondern aus der Kraft ehrlichen und ernsthaften individiuellen aber auch gemeinsamen Willens entstanden ist. Mitakuye Oyasin – we are all related.

Aus Oglala Grüße zurück an alle Unterstützer*innen Peltiers und auch unserer Arbeit. Michael von Tokata-LPSG RheinMain.

Shelter in the storm: das Quartier des Autors auf dem Gelände Henry Red Clouds am Abend des Oglala Commemoration Days

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