Leonard Peltier und das Powwow am “Hohen Stein” in Radebeul

Allen Zweifeln und Zweiflern zum Trotz: als wir 2003  auf Wunsch von James Robideau, Cousin Leonard Peltiers, an gleicher Stelle präsent waren, überwog bei uns zuerst Skepsis in Anbetracht des Volksfestcharakters. Wir hatten unsere Meinung schnell relativiert, denn nur selten erreicht man in so kurzer Zeit so viele Menschen und kann auch deren Interesse wecken. Anbei nun ein Bericht sowie Fotos von Elke und Holger Zimmer, die dieses Jahr die Aktion in Radebeul mit viel Engagement erfolgreich durchführten.

Leonard Peltier und das Powwow am “Hohen Stein” in Radebeul

Was Bad Segeberg für die alten Bundesländer ist Radebeul bei Dresden für den Osten: das Mekka aller Karl-May-Fans. Und hier trafen sich jetzt Zehntausende zum 23. Mal und die Organisatoren machten es möglich, dass der Verein Tokata Leonard-Peltier-Support-Group Rhein-Main mit einem Stand vertreten war. Möglich gemacht hatte das Herr Raeder mit seinem Team trotz der sehr kurzfristigen Anfrage. Dafür  ein besonders herzliches Dankeschön.

Wer zum “Hohen Stein” pilgerte, sah als erstes “unsere” Hütte, an der schon rein äußerlich die Forderung nach Freiheit für Leonard Peltier ins Auge fallen musste. Einen besseren Standort hätte man sich gar nicht wünschen können. Tausende pilgerten an drei Tagen zum Areal, das Vertreter der  Oneida-Indian-Nation für ihr Powwow mit Liedern, Tänzen und Geschichten – moderiert von Kerstin Groeper-Schmäling vom Traumfänger-Verlag – nutzten. Hier wurden indianische Filme gezeigt und hier gab es eine Diskussionsrunde wegen der berechtigten Forderung, einen Skalp aus dem Karl-May-Museum in die USA zurückzuführen.

Das alles hatte natürlich Volksfestcharakter und dennoch fand die Forderung nach Freiheit für Leonard Peltier ein hundertfaches Echo. 603 Frauen, Männer und Jugendliche unterschrieben die Unterschriften-Listen, die noch vor dem 70. Geburtstag des 1977 unschuldig verurteilten Aktivisten des American Indian Mouvement übergeben werden sollen. Natürlich haben nicht alle unterschrieben. Manche meinten, nicht genug über den Fall zu wissen. Andere sagten, dass man sowieso nichts bewirken könne. Doch wer den Kopf in den Sand steckt, hat bekanntlich schon verloren. Peltier gehört zweifellos nicht dazu, denn wer 38 Jahre und vier Monate im Knast aushält, den darf man getrost als amerikanischen Mandela bezeichnen. Oder als einen, der seinem Volk und damit auch uns noch viel geben könnte. Beispielsweise Menschenwürde und Menschlichkeit.

Aber unter den Leuten, die jetzt in Radebeul Peltiers Freiheit forderten, waren auch solche, denen sein Schicksal nicht nur nicht gleichgültig ist, sondern die noch aus DDR-Zeiten Zeitungsbeiträge über die Besetzung von Wounded Knee 1973 und den Prozess gegen Peltier aufbewahren. Menschen, die vor 40 Jahren Freiheit für Angela Davis und Nelson Mandela forderten und jetzt mit und für Leonard Peltier hoffen. “Was, der sitzt immer noch?”, fragten einige und meinten damit wohl auch das Unrecht, das weltweit im Namen der Freiheit zwischen Guantanamo und Afghanistan verübt wird.

Der Kampf geht weiter.

Elke und Holger Zimmer

 
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