Freiheit für Sonja Suder und Christian Gauger

Als Menschenrechtler finden wir das gestern vor dem OLG Frankfurt begonnene Verfahren gegen Sonja Suder und Christian Gauger menschenunwürdig. Sonja Suder, mit 79 Jahren Deutschlands ältester U – Häftling, und Christian Gauger (70), der aufgrund eines Herzstillstandes vor über 10 Jahren damals Sprache und Erinnerung verloren hatte, werden aufgrund dubioser Zeugenaussagen Brandanschläge und, im Falle Sonjas, eine Beteiligung an dem OPEC-Überfall von Wien 1975 vorgeworfen. Die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen und Ex- RZlers Hans Joachim Kleins hat sich bereits in früheren Verfahren als mehr als eingeschränkt erwiesen. Widerlich hingegen, wie Staatsanwaltschaft und Polizei zu den anderen Zeugenaussagen gelangte. Als dem ebenfalls dem RZ – Umfeld zugerechneten Hermann Feiling 1978 eine Bombe explodierete, wurden diesem beide Beine unterhalb des Rumpfes abgerissen, er erlitt fürchterliche  Verbrennungen, erblindete auf beiden Augen und seine Mund- und Rachenhöhle waren durchbrochen. In diesem Zustand zwischen Leben und Tod wurde Feiling gnadenlos auf der Beatmunsstation verhört. Hätte Feiling eine Bauchwunde gehabt, hätte die Staatsanwaltschaft wohl noch in  seinen Gedärmen gewühlt. Eine widerlichere und unmenschlichere Verhörform ist kaum vorstellbar.

Wir schließen uns der Forderung nach Freiheit für Sonja Suder und Christian Gauger an, respektieren deren Verweigerung mit Staat und Justiz zu reden und solidarisieren uns mit den Aktionen für ihre Freilassung – auch und gerade, weil wir nicht unbedingt bestimmte Aktionen und Vorstellungen der RZ teilen. Unsere Solidarität gehört den beiden Angeklagten als Menschen und politisch handelnde Menschen und  den gemeinsamen Wurzeln sozialer Kämpfe für eine gerechte Welt ohne Krieg, Ausbeutung und Herrschaft.

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