Zweites Aktionswochenende für Leonard Peltier in drei euopäischen Städten

Zweites Aktionswochenende für Leonard Peltier in drei euopäischen Städten

Im Rahmen des diesjährigen europäischen Aktionsmonats für den indigenen politischen Gefangenen Leonard Peltier (77) anlässlich des Oglala Commemoration & Leonard Peltier Days 2022 fand ein weiteres Aktionswochenende mit Veranstaltungen in Barcelona, Leipzig und Frankfurt am Main statt.

Frankfurt am Main:

Am 30.6.2022 versamelten sich Menschenrechts-Aktivist*innen gegenüb er dem US-Generalkonsulat in FRankfurt am Main. Der Termin stand zum einen im Kontext der internationalen Aktionen anlässlich der Verkündigung der Todesstrafe gegen Mumia Abu-Jamal vor 40 Jahren. Zum anderen war sie Aktion aber auch Bestandteil des europäischen Aktionsmonats für den indigenen politischen Gefangenen Leonard Peltier.

In drei Vorträgen wurde auf das Thema “Todesstrafe” eingegangen. Hierzu wurde auch ein Text Mumia Abu-Jamasl verlesen, der sich mit dem Zusammenhang von Rassismus und Todesstrafe bzw. tödliche Polizeieinsätze auseinandersetzt. https://www.jungewelt.de/artikel/425194.todesstrafe-auf-schwarzsein.html Auf diesen Zusammenhang wurde auch in den vorherigen beiden Beiträgen eingegangen. Im Beitrag von Tokata-LPSG RheinMain e. V. wurde nochmals anhand von gestoppten Hinrichtungen aufgezeigt, wie wichtig auch hierzulande die Beteiligung an Petitionen in den USA ist. Gleichzeitig wurde aber auch auf jene Form von Haft- und Justizpraxis hingewiesen, die man sarkastisch als “schleichende Todesstrafe mit anderen Mitteln” bezeichnen könnte und die immer wieder auch politische Gefangene wie Leonard Peltier betrifft: es wird alles dafür getan, das die Häftlinge in der Haft versterben, z. B. aufgrund unterlassener medizinischer Vorsorge und Behandlung, aufgrund der Verweigerung von Begnadigungen falls die Inhaftierten auf ihre Unschuld pochen, aufgrund physischer Attacken bis hin zum Mordkomplott gegen einzelne Häftlinge …..


Leipzig:

Leonard auf der „Weltfrieden“

Musiker unterstützen Kampf für Peltiers Freilassung in Leipzig

Sonnenuntergang im Lindenauer Hafen. Unsere Gedanken gehen am Abend des 1. Juli ins Hochsicherheitsgefängnis Coleman in Florida. Dorthin, wo der indigene Langzeitgefangene Leonard Peltier im Knast sitzt. In ein paar Tagen sind es 46 Jahre und fünf Monate. Es klingt fast so, als müsste der Bürgerrechtler einen neuen Rekord aufstellen. Ein perfider Gedanke. Denn die Schuld am Tod von zwei FBI-Agenten am 26. Juni 1975 konnte ihm nie nachgewiesen werden und wie zwei Angeklagte, die vor ihm vor Gericht standen, hätte man auf Notwehr erkennen müssen.

Mit dem Motorschiff „Weltfrieden“ sind wir viel zu spät im Hafen eingetroffen. Wir können ein paar Sätze sagen, versuchen, die Herzen der Konzertbesuche zu erreichen. Dann klettern wir über eine am hohen Kai eingelassene eiserne Leiter hinauf. Nur nicht abrutschen. Doch was ist die kleine Anstrengung schon gegen Leonards Martyrium? Ein Mordkomplott hat es gegen ihn gegeben. Immer wieder haben Revisionsverfahren nichts gebracht. Nach einer Kieferoperation fiel er zwei Wochen ins Koma. Vor 13 Jahren wird die Begnadigung abgelehnt. Er musste am Herzen operiert werden. Doch nun scheint mit Senatsmitgliedern, darunter Mazie Hirono, Bewegung in Sachen Begnadigung zu kommen. US-Präsident Biden ist gefragt. Und Leonard sagt der Huffington Post in einem Interview: „Ich bin nicht schuldig an dieser Schießerei. … Ich würde gerne nach Hause gehen und die Jahre, die mir noch bleiben, mit meinen Urenkeln und meinem Volk verbringen.“

Entlang der Kaimauer lauschen die Besucher dem Konzert von Claudia Herold, Ralph Schüller und seiner Band, dem US-Amerikaner Jesse Ballard und „Teufelsgeiger“ Miku Mikulicz… Bereits vorher hatte die Gruppe „Tempi Passati“ die Leute begeistert. Im Dunkeln laufen wir zu später Stunde die Reihen der Besucher ab, kaum jemand winkt ab. Zwei junge Frauen aus Weimar und Bremen, aber auch Ältere fragen, warum wir Unterschriften sammeln und Karten ans Weiße Haus schicken wollen. Sie finden das bis auf Ausnahmen durchweg gut und wir antworten Interessenten: „Wir haben 1973 aus der Zeitung erfahren, als Lakota  Wounded Knee als heiligen Ort besetzt haben.“ Eine Stätte, an der die US-Armee 1890 ihr letztes großes Massaker an Indigenen verübte. Auch später haben wir Aktionen wie die Schießerei von Oglala verfolgt.

Eine Demonstration hat uns vor etwas mehr als zehn Jahren an der Botschaft der USA in Berlin wachgerüttelt. Und seit 2014 unterstützt uns der Leipziger-Liedertour-Chef Frank Oberhof. Damals haben er und „seine“ Musiker anlässlich des 70.  Geburtstages Peltiers am Brandenburger Tor groß aufgespielt. Dreimal waren sie mit uns an der Nikolaikirche in Leipzig, einmal in der Johanniskirche in Halle – unter anderem mit Mitch Walking Elk, Stephan Krawczyk und Jörg Kokott – und jetzt auf den Wasserstraßen der alten Messestadt. Nun also ging es mit Kapitän Martin Schulte und einem Dutzend Musikern  mit dem Schiff über die Kanäle von Klein-Venedig in Leipzig. Das Schiff wurde noch 1945 als Küstenwachboot  gebaut und Mitte der 50er Jahre bekam  es den Namen „Weltfrieden“. Vor zwei Jahren gab es die erste Aktion, um auf den Wasserstraßen zu verdeutlichen, dass trotz Corona Kultur zum Leben dazugehört. Nun hat Frank Oberhof  mit seinen Musikern Wort gehalten und das 3. Wasser-Straßen-Musik-Fest Peltier gewidmet. Unser Verein Leonard-Peltier-Support-Group Rhein/Main konnte mit zwei Transparenten am Bug des Schiffes, einem Redebeitrag sowie einer Unterschriftensammlung am Zielhafen auf den Langzeitgefangenen aufmerksam machen. 

Leonard on the “World Peace” Musicians support fight

for Peltier’s release

Sunset in Lindenau harbor. Our thoughts go to Coleman Maximum Security Prison in Florida on the evening of July 1st. To where long-term indigenous prisoner Leonard Peltier is in jail. In a few days it will be 46 years and five months. It almost sounds as if the civil rights activist would have to set a new record. A perfidious thought. Because the guilt in the death of two FBI agents on June 26, 1975 could never be proven and like two defendants who stood before him in court, self-defense should have been recognized. With the motor ship “Weltfrieden” we arrived much too late in the port. We can say a few sentences, try to reach the hearts of the concert-goers. Then we climb up an iron ladder set into the high quay. Just don’t slip. But what is a small effort compared to Leonard’s martyrdom? There was an assassination plot against him. Revision procedures have repeatedly brought nothing. After a jaw operation, he fell into a coma for two weeks. 13 years ago the pardon was rejected. He had to have heart surgery. But now, with members of the Senate, including Mazie Hirono, there seems to be movement in the matter of pardon. US President Biden is in demand. And Leonard tells the Huffington Post in an interview: “I’m not guilty of this shooting. … I would like to go home and spend the years I have left with my great-grandchildren and my people.” Along the quay wall, visitors listen to the concert by Claudia Herold, Ralph Schüller and his band, the American Jesse Ballard and “Devil’s Violinist” Miku Mikulicz… The group “Tempi Passati” had already thrilled people beforehand. Late in the dark, we walk down the rows of visitors, hardly anyone waves us away. Two young women from Weimar and Bremen, but also older women, ask why we want to collect signatures and send cards to the White House. They all think that’s a good thing, with a few exceptions, and we answer interested parties: “We heard from the newspaper in 1973 when the Lakota occupied Wounded Knee as a holy place.” A site where the US Army carried out its last major massacre of indigenous people in 1890 . Later, we followed actions like the Oglala shooting. A demonstration at the US Embassy in Berlin shook us up a little more than ten years ago. And since 2014 we have been supported by the head of the Leipzig song tour, Frank Oberhof. At that time he and “his” musicians played big at the Brandenburg Gate on the occasion of Peltier’s 70th birthday. They have been with us three times to the Nikolaikirche in Leipzig, once to the Johanniskirche in Halle – with Mitch Walking Elk, Stephan Krawczyk and Jörg Kokott, among others – and now on the waterways of the old trade fair city. So now it was with Captain Martin Schulte and a dozen musicians by ship on the canals of Little Venice in Leipzig. The ship was built in 1945 as a coast guard boat and in the mid-1950s it was given the name “Weltfrieden”. Two years ago there was the first action to make it clear on the waterways that culture is part of life despite Corona. Frank Oberhof and his musicians have now kept their word and dedicated the 3rd Water Street Music Festival to Peltier. Our association Leonard-Peltier-Support-Group Rhein/Main was able to draw attention to the long-term prisoner with two banners on the bow of the ship, a speech and a collection of

signatures at the port of destination.


Barcelona:

Die vielen kleinen und großen Aktivitäten in der ganzen Welt für die Befreiung von Leonard Peltier reißen nicht ab. In den letzten Tagen gab es neben den bereits erwähnten Aktivitäten in Italien auch solche in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Wir konnten diese in Barcelona verfolgen.

Am Freitag dem 1. Juli und am gestrigen Samstag, dem 2. Juli, fand auf dem Platz Sant Jaume vor den Gebäuden des Rathauses und der Generalitat von Katalonien ein lebhaftes Präsidium statt. Ein dreisprachiger Sprecher, der auf Spanisch, Katalanisch und Englisch sprach, erzählte den Passanten die Geschichte dieses Mannes. Einige der Teilnehmer waren diejenigen, die vor zehn Jahren eine umfangreiche Kampagne starteten und monatelang jeden Donnerstag vor dem US-Konsulat in der katalanischen Stadt auftraten. Sie erzählen von den zahlreichen Initiativen, die im Laufe von fünf Jahren durchgeführt wurden, um den Widerstand dieses Mannes und seines Volkes bekannt zu machen.

Sie geben nicht auf, denn sie wissen, dass mit der Zeit die Wut und die Scham angesichts einer Gefangenschaft, die den Geschmack von Rache hat, wachsen. Sie werden weiterhin alles in ihrer Macht Stehende tun, um sicherzustellen, dass dieser Mann so bald wie möglich seine Freiheit wiedererlangt und nicht im Gefängnis stirbt. Präsident Biden kann nicht bis zum Ende seiner Amtszeit warten; dann könnte es zu spät sein.

In der Zwischenzeit wird die Kampagne für die Freilassung Peltiers vom Zentrum für Frieden in Viterbo fortgesetzt, das sich nicht nur an den neuen Präsidenten des Europäischen Parlaments wendet, sondern auch darum bittet, sich an das italienische Parlament zu wenden.


Rückblick auf weitere Veranstaltungen in Italien:

https://www.pressenza.com/2022/07/free-leonard-peltier-and-all-political-prisoners-meetings-to-break-the-silence/

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