Nostalgie oder Kontinuität…..40 Jahre Hüttendorfräumung Startbahn West/Frankfurt am Main

Anlässlich des 40. Jahrestages der Hüttendorf-Räumung im Mönchbruch-Wald am Frankfurter Flughafen, damit die 4km lange Startbahn 18-West gebaut werden kann, findet diese Woche eine Veranstaltungsreihe hierzu statt. Und natürlich darf heute Abend, am 2.11., auch ein Waldspaziergang hinaus zum Startbahn-Gelände nicht fehlen. Ist das Anachronismus und Nostalgie? Eine berechtigte Frage, doch einfach zu beantworten: wie bereits die Kämpfe gegen Atomkraft in den 70er Jahren markierte auch der langjährige Kampf gegen die Flughafenerweiterung und gegen ähnliche Projekte (Ausbau der B 8 bei Kelkheim und Besetzung des Bau-Dammes…, Wackersdorf Mitte der 80er Jahre…..) einen Schritt hin, die ökologische Auseinandersetzung immer stärker in den Vordergrund zu nehmen. Dabei ging und geht es nicht um eine Vernachlässigung der sozialen Frage und der Klassenkämpfe, doch vor dem Hintergrund einer Zerstörung der Natur und deren Folgen, entstand ein Bewusstsein, dass die ökoloigischen Kämpfe für die Zukunft von Mensch und Natur zentral bedeutsam sein werden. Mittlerweile sind wir so weit, unterschiedliche politische Kämpfe (Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, Umwelt, Kolonialismus und Rassismus, Kampf gegen Neoliberalismus und Kapitalismus etc.) zunehmend zusammen zu denken. Die Gründungsmitglieder unseres Vereins waren Anfang der 80er Jahre in den Startbahn-Auseinandersetzungen stark involviert. Und dort erfuhren sie auch Unterstützung aus dem indigenen Amerika: Floyd Crow Westerman, Sänger & Musiker, Schauspieler (Der mit dem Wolf tanzt) und AIM-Aktivist gab im Bürgerhaus Mörfelden ein Soli-Konzert. Andere Indigene kamen auch raus in den Wald und wurden Zeugen einer unerwartet brutalen Polizeigewalt. Jahre später, unser Verein bestand bereits, brachten wir die Musiker der Navajo-Punkband BLACKFIRE in den Kelsterbacher Wald, wo gerade wieder ein Hüttendorf geräumt und Wald zerstört wurde, diesmal wegen der Landebahn Nord des Frankfurter Flughafens. 2018 – 2019 brachten wir dann eine Delegation indigener Pipeline- und Peltier-Aktivist*innen zum Hambi-Camp und ins Ende-Gelände-Camp und verlasen Grußbotschaften indigener Gruppen aus Chile, USA und Kanada im Dannenröder Wald, im Hambacher Wald, in Keyenberg und in Lützerath. Umgekehrt solidarisierten wir uns im Kampf gegen die Dakota Access Oil Pipeline und Keystone XL Pipeline vor Ort mit den indigenen Protectors of Land and Water. Genau an diese Tradition erinnern wir immer wieder bei unseren Lesereisen an den Orten von Umweltzerstörung: an eine Tradition, in der Solidarität keine Einbahnstraße ist und an eine Tradition langjähriger wechselseitiger Unterstützung in den Kämpfen um Mother Earth, Menschenrechte und indigene Belange.

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