Kurzbericht zu unseren Aktivitäten bei der Rosa Luxemburg Konferenz/Berlin

Nach dem bereits am Freitag, den 10. Januar 2020 in einer Anzeige unseres Vereins auf das Schicksal Leonard Peltiers hinwies, war im Rahmen der diesjährigen RLK in Berlin unser Verein analog der Vorjahre wieder mit eigenem Stand direkt in Nachbarschaft mit dem Mumia-Bündnis und der Roten Hilfe vertreten, um über das Schicksal des indigenen politischen Gefangenen Leonard Peltier, aktuelle Situationen des indigenen Amerikas sowie unsere Vereinsarbeit zu informieren. Dies war bereits die fünfte Teilnahme unsererseits an der RLK. Neben Infomaterial und Büchern konnten sich Interessierte auch in die Unterschriftenlisten für Peltiers Freiheit eintragen oder vor Ort Fragen stellen und aktuelle Informationen erhalten. Auch Schauspieler Rolf Becker besuchte 2020 wieder unseren Stand. Flankiert wurde dies durch Info- und Kulturbeiträge vor dem Konferenzgebäude, die zwar weniger massenwirksam waren (auch dies analog der Vorjahre), dennoch vor allem bei jugendlichen Besucher*innen auf Interesse stießen. Dies wohl nicht zuletzt aufgrund der engagierten Songbeiträge von David Meißner, der eigens aus Leipzig angereist kam. Unter anderem begeisterte er mit dem von der Anarchopunkband SLIME einst in einen Song gewandelten Erich Mühsam – Gedicht “Sich fügen heißt lügen”. Hier nun der Redebeitrag von Holger Zimmer und das Grußwort von Michael Koch.

Redebeitrag Holger Zimmer:

Leonard Peltier, seit 1976 inhaftiert und seit der Auslieferung an die USA durch Kanada trotz nie bewiesener Schuld in Hochsicherheitsgefängnissen eingepfercht, ist am 12. September 2019 75 Jahre alt geworden. Unser Verein Tokata Leonard-Peltier-Support-Group Rhein/Main bedankt sich an dieser Stelle ausdrücklich für die wiederholte und fantastische Kooperation mit den Aktivisten, die sich für Mumia Abu Jamal einsetzen, und der Roten Hilfe. Erst dadurch wurde eine Kundgebung an der US-Botschaft in Berlin möglich. Gemeinsam kämpfen wir für die Freilassung von Leonard – ich darf ihn mal nach fast 44 Jahren im Knast zuerst nennen – Mumia und allen politischen Gefangenen. Und wir protestieren aufs Schärfste gegen die Todesstrafe in den USA und weltweit. Das eint und verbindet uns. Aber warum Leonard??? Weil es um Wiedergutmachung einer jahrhundertelangen Unterdrückung geht – durch Deutsche in Amerika und in anderen Teilen der Welt. Denken wir an den Völkermord im heutigen Namibia, dem ungezählte Herero und Nama zum Opfer gefallen sind, deren Nachkommen heute noch vergeblich auf eine Entschädigung warten. Stattdessen werden lieber Renten an Nazi-Kollaborateure im Baltikum und anderswo gezahlt. Aber warum Indigene?Man kommt nicht umhin zu bekennen, dass Ureinwohner weltweit ein wichtiger Bestandteil für einen schonenden Umgang mit der Natur sind. Greta und Fridays for Future sind potenzielle Verbündete, wenn man sieht, wie Indigene durch das Abfackeln gigantischer Wälder des Amazonasgebietes ihres Lebensraumes beraubt werden. Wir müssen ihre natürlichen Verbündeten sein, nicht umgekehrt, denn nur sie können uns lehren, im Einklang mit der Natur zu leben. Wenn ich dann höre, dass ein Gymnasialdirektor im beschaulichen Weißenfels bei Leipzig meint zu wissen, dass Aktionismus der Fridays for Future-Demonstranten noch keinen Baum im Regenwald gerettet hat, dem muss ich entschieden widersprechen. Wer weiß, wie viel mehr Regenwald abgeholzt worden wäre, wenn die Jugendlichen nicht auf die Straße gegangen wären. Nur Aktionen wie im Hambacher Forst bringen etwas für die Umwelt, nicht aber jene falschen Versprechungen von Politprofis, die bisher nichts auf den Weg gebracht haben als den Raubbau an der Natur. Erinnern wir uns an die alte Weissagung der Cree:

Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann. 

Deshalb solidarisieren wir uns mit jenen 3000 Kämpferinnen aus aller Welt, die sich in Chiapas in Mexiko getroffen haben, solidarisieren wir uns mit dem indigenen Evo Morales in Bolivien, der aus dem Präsidentenamt geputscht wurde. Und wir begrüßen, wenn er in Argentinien jene Mütter unterstützt, die ihre Töchter und Söhne während der Militärdiktatur im Lande verloren haben. Und vergessen wir nicht: Aus Argentinien stammt ein großer Revolutionär, der einst sagt: Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker. Venceremos.      

Grußwort von Dr. Michael Koch

In diesem Jahr besteht  TOKATA – LPSG RHEINMAIN,Verein zur Unterstützung indianischer Jugend-, Kultur- und Menschenrechtsprojekte & Leonard Peltier Support Group seit 20 Jahren. Seit einigen Jahren sind wir auch bei der RLK mit einem Infostand präsent, um u. a. auf  das Schicksal des indianischen poltischen Gefangenen Leonard Peltier sowie weitere Menschenrechtsbelange Indigener aufmerksam zu machen. Peltier, der vor vier Monaten 75 Jahre alt wurde ist seit fast 44 Jahren inhaftiert, lange Zeit in Isolationshaft und Dauereinschluss, mittlerweile auch durch schwere Krankheiten gekennzeichnet. Seit 44 Jahren kämpfen Menschen aus aller Welt für seine Freiheit.  Abgesehen von Nelson Mandela gab es noch nie eine so große weltweite Bewegung für die Freiheit eines politischen Gefangenen. Noch nie hat soviel Prominenz aus Politik, Wissenschaft,  Kultur und Religionen sich   engagiert wie im Falle Peltiers. Die Freiheit hat es Peltier bislang leider nicht gebracht. Aber es macht den Verantwortlichen in Politik, Justiz und Polizei deutlich, dass sein Schicksal auch nach über 4 Dekaden nicht vergessen ist. Nach allen uns  vorliegenden Informationen ist Peltiers anhaltende Inhaftierung der größte US-Justizskandal des 20. & 21. Jahrhunderts und steht in direktem Zusammenhang zur anhaltenden Unterdrückung und Kolonialisierung Indigener in den USA und Gesamtamerika.
In Deutschland gibt es seit einigen Jahren ein wiedererwachendes und wachsendes Interesse am Kampf  für indigene Belange und für Peltiers Freiheit. Dies verwundert nicht, denn es sind gerade Indigene überall in Amerika, die im Kampf für Menschenrechte, Umweltschutz, soziale Belange und gegen Kolonialismus und Ausbeutung in den ersten Reihen agieren.
Peltier weiß um die große Solidarität, die aus Deutschland kommt. In seinem letzten Schreiben an uns bat er mich, euch allen hierfür zu danken. Ich komme seiner Bitte hiermit gerne nach und danke für all die Unterstützung und Solidarität mit Leonard Peltier und unseren indigenen Schwestern und Brüdern im Widerstand. Lasst uns diesen Kampf weiterführen bis Leonard Peltier frei ist. Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit.  Solidarische Grüße an die Rosa Luxemburg Konferenz von Leonard Peltier und Michael Koch.

  

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