Bericht von der Mahnwache für Peltier in Leipzig vom 6.5.2017

Aus Leipzig erreichte uns folgender Bericht unseres unermüdlichen “Ost-Chapters”

Ein wackerer Beamter und Kinder sorgen für Furore am US-Generalkonsulat Leipzig

Zum fünften Aktionstag seit dem 19. Januar 2017 hatte die Ostgruppe des Vereins Tokata Leonard-Peltier-Support-Group Rhein-Main am 6. Mai eingeladen. Auf den Tag genau sitzt der amerikanische Bürgerrechtler 41 Jahre und drei Monate unschuldig im Gefängnis. Ingo kam mit dem Fahrrad vorbei. Ihn hatten wir im Vorfeld des Leipziger Ostermarsches vor drei Wochen kennengelernt, wo wir erstmals mit unserem Infostand dabei sein konnten.

Vor Beginn unterlief uns freilich ein schier unverzeihlicher Lapsus, der uns einen Ordnungshüter bescherte, der darauf hinwies, dass die Grünfläche ringsum zum Oberverwaltungsgericht gehört. Und auf der stand der Fuß des Stativs für den Lautsprecher. Nicht auszudenken, was für diplomatische Verwicklungen mit den Vereinigten Staaten von Amerika hätten entstehen können, wenn der Fuß jenes Lautsprechers auch noch in jenem Augenblick auf dem Rasen gestanden hätte, in dem wir Freiheit für Leonard Peltier gefordert hätten. Unschuldsvermutung hin, Rechtsstaatlichkeit her – die Bundeskanzlerin hätte das wohl in unzumutbare Erklärungsnot gebracht. Womöglich wäre sie gar ins Weiße Haus zitiert worden.

Übrigens: Das Gericht hat Tradition. Immerhin gab es hier den Prozess gegen den Kommunisten Georgi Dimitroff. Der blieb Triumphator im Reichstagsbrandprozess 1933 und führte die Nazis samt Göring und Goebbels nach allen Regeln der Kunst vor. In DDR-Zeiten gab es ein Museum in diesem Haus, das daran erinnerte und heute muss man in schöner Traditionsfolge akzeptieren, dass Meinungsfreiheit durch das Versammlungsrecht gewährleitet ist, aber das die Duldung eines Stativfußes auf dem Hoheitsgebiet der Bundesrepublik nicht beinhaltet.

Immerhin lief im Lautsprecher auch jene an den staatlichen Grundfesten rüttelnde CD von Michael Koch „One Life for Freedom“. Aber dass die Bundesrepublik damit irgendwie in Verbindung gebracht werden kann, hat ja der wackere Ordnungshüter mit seinem mutigen Einsatz zu verhindern gewusst. Eine Information von Koch spielte außerdem eine Rolle in einem der Redebeiträge. Der Vorsitzende des Vereins Tokata Leonard-Peltier-Support-Group Rhein- Main hatte informiert: „Leonards weitere medizinische Behandlung ist derzeit gestoppt. Ohne Angabe von Gründen. Am 8. Mai hat er einen Termin mit dem Anwalt wegen allem möglichen, auch wegen der medizinischen Behandlung. Zurzeit geht es ihm nicht gut. Er hat Grippe, ist schlapp, ist müde und möchte eigentlich nur noch raus.“

Was uns aber richtig Mut gemacht hat, ist die Tatsache, dass wir nicht nur zu fünft gegenüber dem US-Generalkonsulat gestanden haben, sondern sich auch einige Besucher blicken ließen. Eine Frau war mit ihren zwei Söhnen aus dem 40 Kilometer entfernten Bad Lausick angereist, blieb die anderthalb Stunden am Stand und zeigte sich sehr begeistert. Sie bevorratete sich mit Karten, die Leonard im Gefängnis erreichen sollen. Und die Jungen konnten sich ein paar farbige Luftballons mit einem Leonard-Peltier-Bild aussuchen, die die Münchener Aktionsgruppe Indianer und Menschenrechte um Monika Seiler für die Kundgebung Ende Oktober 2016 am Brandenburger Tor kreiert hatte. Wir werden sie auch für Kinder beim Karl-May-Fest in drei Wochen in Radebeul dabei haben. Denn wer sonst soll die Fackel für Menschenrechte und Frieden weltweit weiter tragen?

Die nächste Kundgebung soll am Leipziger US-Generalkonsulat an der Ecke Seyfferth/Wächterstraße voraussichtlich am 3. Juni, 10.30 Uhr, stattfinden.

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