Heidelberger Symposium zu dem Schicksal des inhaftierten indianischen Menschenrechtsaktivisten Leonard Peltier fand bundesweite und internationale Beachtung

Vertreter aus 4 Ländern diskutieren in Heidelberg über den Fall Peltiers und die Lage der amerikanischen Ureinwohner in den USA

Vertreter aus den USA, Kanada, der Schweiz und Deutschland waren von Freitag, dem 7. Oktober bis Sonntag, 9.Oktober 2016 sowohl als Redner als auch als Musiker eines Kulturprogramms zu Gast auf der Bühne des Deutsch – Amerikanischen Instituts in Heidelberg, darunter   Indigene, Buchautoren, Menschenrechtler und Journalisten, wie z. B. Claus Biegert.  Fiannziert wurde das Sympsoium ausschließlich durch Spenden. Thema des dreitägigen Veranstaltungsmarathons: „Free Peltier – Leonard Peltier und der Kampf der Native Americans“. Hinter diesem etwas schablonenhaften Titel verbarg sich jedoch eine Tagung zu brisanten Themen mit hochkarätigen Vorträgen, die das indianische Amerika betreffen. Im Zentrum der Veranstaltung standen Geschichte, Fall und Situation des 72jährigen indianischen Menschenrechtsaktivisten Leonard Peltier, der seit über 40 Jahren inhaftiert ist. Der Tatvorwurf, für den Tod von zwei FBI – Agenten verantwortlich zu sein, die 1975 bei einem Schusswechsel zwischen FBI und Mitgliedern des American Indian Movements, einer panindianischen Menschenrechts-, Protest-und Widerstandsbewegung, starben, kann einer rechtlichen Überprüfung  kaum Stand halten, so die beiden Mitorganisatoren Michael Koch und Michael Schiffmann. Beide haben nach jahrelanger Recherche, Literatur- und Aktenanalyse, Gesprächen mit Zeit- und Ortszeugen im Frühjahr des Jahres ein umfassendes Buch sowohl zum Fall Peltiers als auch zu der  Völkermordgeschichte an den Ureinwohnern der USA und deren aktuelle Problemlagen veröffentlicht und betrachten die Inhaftierung Peltiers als Geiselhaft der gesamten indianischen Bevölkerung.  Gemeinsam mit Lynn Elms und Ralf Berndt und mit Unterstützung durch das Deutsch –   Amerikanische Institut Heidelberg  entwickelten die beiden Autoren ein Symposiumsprogramm, dass sich daher neben dem Fall Peltier auch mit  weiteren Menschenrechtsbelangen befasst, die das indigene Amerika betreffen. Vorträge zu Geschichte und Dimensionen des Genozids an Native Americans wurden ergänzt durch authentische Erfahrungsberichte aus den Zwangsumerziehungseinrichtungen sogenannter Internatsschulen. Der Cheyenne – Arapaho Mitch Walking Elk, Musiker, Autor, Menschenrechtsaktivist und Sozialarbeiter berichtete ergreifend von seinen eigenen Erfahrungen. Bei der Schilderung, wie er mit Zwang von seinen Eltern entfernt, kaserniert und in der Internatsschule misshandelt wurde, versagte ihm noch 55 Jahre nach dieser Zeit immer wieder die durch Tränen brüchig gewordene  Stimme, was bei den Anwesenden tiefe Betroffenheit auslöste.  Die Diné (Navajo) Jeneda und Clayson Benally  berichteten in ihrem Beitrag über die anhaltende Verletzung und Zerstörung spiritueller Orte, z. B. von Gebets- und Beerdigungsorten,  im Rahmen von Bauprojekten. Allerdings nimmt hiervon die Weltöffentlichkeit kaum Notiz. Um solche Konflikte entstehen in Nordamerika jedoch immer mehr neue Protestallianzen, wie aktuell bei der Dakota Access Pipeline in Nord Dakota oder bei der Keystone XL – Pipeline. Hier verbinden sich Forderungen nach indigenen Rechten mit Umweltschutzforderungen. Monika Seiller, von der Arbeitsgruppe Indianer und Menschenrechte (München) wiederum beschrieb in ihrem Beitrag unter dem Titel „Nie mehr Pocahontas“ die Bedeutung und Rolle indianischer Frauen im Kampf gegen Gewalt, Rassismus und Benachteiligung. Der Tag, der mit einer Eröffnungszeremonie durch Jones Benally, einem spirituellen Heiler der Diné, eröffnet wurde, endete mit einem Solidaritätskonzert für Leonard Peltier, die Proteste gegen die Dakota Acces Oil Pipeline und andere indigene Belange. Auf der Bühne Mitch Walking Elk, der kanadische Singer Songwriter Michael Friedman und die Navajo – Powerrockband Sihasin.  Michael Koch, Mitorganisator und Mitgründer der deutschen Peltier Supportgroup „Tokata – LPSG RheinMain“  erinnerte gemeinsam mit Michael Friedmann in seinem Song „40 Years“ an das Schicksal Peltiers, der über 40 Jahre inhaftiert ist und aktuell  lebensbedrohlich erkrankt ist. Bereits am Vorabend, dem 7.10. fand ein vierstündiger Diskussions- und Filmabend statt, der in die Vorträge des Folgetages einführte. Am Sonntag, den 9. Oktober startete das Symposium dann mit einem Powerpoint-Vortrag des Lakota Frederick Cedar Face aus Süd-Dakota zur aktuellen Lage in Armutsreservationen. Dem folgten zwei Dokumentarfilme über das American Indian Movement und dessen Mitgründer Dennis Banks sowie über Leonard Peltier. Eigens aus München angereist der Journalist und Filmemacher Claus Biegert, seit den 70er Jahren einer der profundesten Kenner der Materie.  Neben dem anspruchsvollen Vortrags- und Kulturprogramm flankierten zahlreiche Infostände von Menschenrechtsgruppen aus den USA, Deutschland und der Schweiz das Symposium. Grußadressen aus den USA, der Schweiz, Österreich, Irland, Spanien, Italien, Polen und Belgien wurden verlesen. Und neben einem der bekanntesten amerikanischen Wissenschaftler, Noam Chomsky, grüßte auch Leonard Peltier  mit einem sehr ergreifenden Brief die Sympsosiumsveranstalter und -Gäste in Deutschland.  Fazit der Organisatoren: es wurden zwischen allen Beteiligten neue Kontakte geknüpft und bestehende Kontakte vertieft. Das Publikum, an den drei Veranstaltungstagen  ca. 200 Personen, war ob des Schicksals Peltiers und des ihm angetanen Unrechts sichtbar ergriffen sowie von Vorträgen und Konzert  durchweg begeistert. Viele Besucher gingen mit dem Versprechen, sich zukünftig stärker für Menschenrechtsbelange zu engagieren. Außerdem wurden Spenden und Unterschriften für die Begnadigung Peltiers sowie zur Unterstützung der Anti-Pipeline-Proteste in Nord Dakota gesammelt. Dem Verein „Tokata – LPSG RheinMain e. V.“  liegen mittlerweile über 10.000 Unterschriften vor, die den scheidenden Präsidenten Barack Obama auffordern, Leonard Peltier zu begnadigen. Mit Beginn der letzten 100 Tage von Obamas Präsidentschaft wollen sich europaweit Menschenrechtler verbinden, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen. Und so diskutierten  zum Abschluss des Symposiums  Veranstalter, Redner und Besucher über weitere Strategien, um die anlaufenden weltweiten Aktionen für Leonard Peltier, von dessen Unschuld alle Anwesenden überzeugt sind, gemeinsam zu unterstützen. Nächste Veranstaltungen für diesen Monat sind bereits in Frankfurt am Main und Berlin geplant.

Weitere Informationen:  www.leonardpeltier.de , https://www.facebook.com/LPSGRheinMain und  https://www.facebook.com/FreeLeonardPeltierSymposiumHeidelberg2016

Aktuell:  „Ein Leben für die Freiheit – Leonard Peltier und der indianische Widerstand“ (TraumFänger – Verlag 2016. Hrsg.: Tokata – LPSG RheinMain e. V., Autoren: Michael Koch, Michael Schiffmann – 420 Seiten + 40 Seiten Fotodokumentation + 120 Minuten Filmdokumentation auf DVD)

Kontakt:

Dr.Michael Koch

Tokata – LPSG RheinMain e.V. (Verein zur Unterstützung indianischer Jugend-, Kultur- und Menschenrechtsprojekte & Leonard Peltier Support Group)

Email: lpsgrheinmain@aol.com

 

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