Infostand zu Peltier und Abu – Jamal bei der Rosa Luxemburg Konferenz 2016 in Berlin

Am Stand der Berliner Mumia – Gruppe wird es bei der diesjährigen Rosa Luxemburg Konferenz auch Infos zu dem indianischen politischen Gefangenen Leonard Peltier geben. Peltier, der am 6.2.2016 seit 40 Jahren inhaftiert ist, ist in  akut lebensbedrohlichem gesundheitlichen Zustand. Anbei das Statement unseres Vereins anlässlich der Rosa Luxemburg Konferenz (Uraniahaus, An der Urania 17, Berlin – 9.1.2016 Einlass: 10:00 Uhr, Beginn: 11:00):

Statement der Leonard Peltier Support Group „Tokata – LPSG RheinMain e. V.“ zu Leonard Peltiers aktueller Situation anlässlich der Rosa Luxemburg – Konferenz 2016 in Berlin.

Liebe FreundInnen, GenossInnen und UnterstützerInnen,

im vergangenen Jahr wurde durch die Rosa Luxemburg Konferenz unsere Soli – Arbeit für den mittlerweile 71jährigen politischen Gefangenen Leonard Peltier unterstützt. Und dank der solidarischen Zusammenarbeit mit den UnterstützerInnen Mumia Abu – Jamals war Fall und Haftsituation des indianischen Langzeitgefangenen immer wieder auch in Berlin präsent, so auch dieses Jahr.

Die diesjährige Konferenz liegt 4 Wochen vor Peltiers Jahrestag der 40jährigen Inhaftierung. Seit 6.2.1976 ist Leonard Peltier in Haft, 40 Jahre Hochsicherheitstrakte, 40 Jahre immer wieder lockdown in Isolation, 40 Jahre gekennzeichnet durch Attacken und Mordkomplott gegen ihn in der Haft und durch schwere und schwerste Erkrankungen. Zudem 40 Jahre enttäuschter Hoffnungen auf eine Entlassung, neues Verfahren, Freispruch, Begnadigung. Beim Amtswechsel Clinton/Bush 2000/2001 sowie bei der letzten Begnadigungsanhörung 2009 standen alle Zeichen auf Freiheit. Doch letztendlich setzten sich immer wieder FBI – Hardliner und eine Justiz, die diesen Namen nicht wirklich verdient, durch – zuletzt mit dem zynischen Hinweis, Peltier könne 2024 einen neuen Begnadigungsantrag stellen. Dann wäre Leonard Peltier 80 Jahre alt und säße 48 Jahre voraussichtlich unschuldig im Knast – wenn er dies denn überhaupt überleben würde.

Nun, so kurz vor dem 40igsten Jahrestag seiner Inhaftierung, mitten in den Vorbereitungen auf weltweite Aktionen zu diesem Anlass, mitten im Endspurt zu unserem neuen Buch zum Fall Leonard Peltiers, erreichen uns seit gestern in kurzen Zeitabständen aktuelle Nachrichten Leonard Peltiers, die seinen Gesundheitszustand betreffen.

Anbei einige Auszüge, Ergänzungen und Einschätzungen, zunächst in Leonards eigenen Worten:

“Seit Monaten, wenn nicht seit einem Jahr, habe ich immer wieder auf gesundheitliche Probleme hingewiesen und dass da etwas nicht in Ordnung ist. Die letzten Tage wurde ich mehrmals zu einem Arztbesuch herausgerufen. Heute wurde ich erneut zur ärztlichen Untersuchung gebracht und bekam meinen Blutdruck gemessen sowie Blut für einige weitere Tests entnommen. . Allem Anschein nach haben sie etwas gefunden, was als Abdominal Aortic Aneurism (AAA) bezeichnet wird [Als Aortenaneurysma wird eine Aussackung (Aneurysma) der Hauptschlagader (Aorta) bezeichnet] und sehr gefährlich ist. Wenn es zu einem Gefäßriss kommt kann ich sterben. Ich würde innerlich verbluten. So beeilen sie sich noch weitere Tests zu machen, eine MRI am Sonntag, um dann den geeigneten Chirurgen für die Operation zu finden. Die gute Nachricht ist, dass diese Operationen eine hohe Erfolgsquote haben …. wenn nichts schief geht .” Soweit aus dem vom ILPDC versendeten Schreiben.

Wir haben uns medizinischen Rat geholt und sehen die Lage als absolut bedrohlich und lebensgefährdent an. Die Aorta kann jederzeit reißen, das innerliche Verbluten würde viel zu spät bemerkt werden. Zwar ist klar, dass in Leonards Alter jede Operation riskant ist. Allerdings ist die Erfolgsquote solcher Operationen mit über 97% doch sehr hoch. Besorgniserregend ist vor allem, dass während der gesamten Behandlungsdauer, z. B. in einem federal prison medical Center, zu befürchten ist, dass Leonard diese Behandlungszeit in Isolation – also lockdown- verbringen muss. Eine solche möglicherweise monatelange Isolationshaft würde wohl kaum zur Genesung beitragen, sondern es ist eher zu befürchten, dass ein solcher lockdown ihn gesundheitlich  erheblich schwächen würde. Hierzu ist anzumerken, dass Leonard Peltiers Gesundheitszustand in den letzten Jahren immer wieder verschlechtert hat. Die für ihn notwendigen Medikamente wurden ihm lange verweigert bzw. nur in unzureichender Dosierung zur Verfügung gestellt. Begründung: zu teuer – Sparzwang. Aufgrund des Lockdowns im vergangenen Jahr haben sich Peltiers Blutzuckerwerte (er ist auch an Diabetes erkrankt) drastisch verschlechtert. Er bräuchte eine ausgewogene, gesunde Ernährung, die ihm ebenfalls verweigert wird. Verweigert werden ihm aber auch so einfache Dinge wie Kissen oder Einlagen gegen Fersensporn. Mittlerweile fällt Peltier nicht nur das Gehen aufgrund des Fersensporns schwer, sondern auch das Sitzen aufgrund des Rückgangs seiner Muskulatur. Wir stehen derzeit täglich mit Peltier in Kontakt und spüren, wie ihn diese gesamte Situation derzeit enorm schwächt. Seine Welt, das heißt seine Zelle rund um seine Pritsche ist derzeit 1,50 m lang und etwa 1m breit.

 

Wie hat Leonard Peltier einmal formuliert?

 

„Ich habe keine Gegenwart. Ich habe nur eine Vergangenheit. Und vielleicht, eine Zukunft. Die Gegenwart hat man mir genommen.

Nach 4 Jahrzehnten scheint es ein gnadenloses Justizsystem geschafft zu haben, diesen starken Mann annähernd zu brechen. Er braucht daher unsere Unterstützung und unsere Solidarität. Vor allem braucht es ein weltweites gemeinsames Bündnis, dass sich für seine Freiheit nun massiver denn je einsetzt. Den leider sowohl in den USA aber auch hier feststellbaren „Luxus“ von Abgrenzungen und Spaltungen innerhalb der Soliszene können wir uns nicht erlauben. Ob MenschenrechtsaktivisteInnen aus dem bürgerlich-liberalen Milieu, aus sozialen oder auch sozialrevolutionären Bewegungen, lasst uns entschlossen handerln, mal gemeinsam, mal getrennt – aber ein klares >Signal vermittelnd: Wir wollen Peltiers Freiheit – jetzt und sofort. Und wir fordern eine sofortige adäquate und somit bestmögliche medizinische Versorgung.

Wendet euch an das Federal Bureau of Prisons, über deren Website könnt ihr eure Anliegen vorbringen. Schreibt an das Weiße Haus, ruft dort an, emailt und twittert Obama. Schreibt Postkarten aus aller Welt an Peltier, sie sind kraftspendendes Soulfood. Informiert euch üpber die Homepage von uns. Alle Infos hierzu bekommt ihr am gemeinsamen Infotisdch der Berliner Mumia – Gruppe und Tokata – LPSG RheinMain.

Im Namen Leonard Peltiers euch allen vielen Dank.

Mit solidarischen Grüßen aus RheinMain

Michael Koch

 

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