Gegen die Resignation – 1.Mitteldeutscher Native American Day in hallescher Pauluskirche mit Lesung und Konzert von Mitch Walking Elk

„Stellen Sie sich vor, sie leben 40 Jahre in Gefängnissen“, sagte Mitch Walking Elk am Samstagabend in der halleschen Pauluskirche ins Publikum. Das war beim 1. Native American Day in Mitteldeutschland und rund 50 Leute waren dabei, auch einige jüngere. Und fast scheint es, dass es nicht der letzte Tag der amerikanischen Ureinwohner in der Saalestadt gewesen ist. Die Pauluskirche, die genutzt werden konnte, war ein fantastischer Ort. Auf einem Hügel thront das Gotteshaus und auch im Innern ist sie sehenswert. Ein Dank an die Kirchengemeinde und ihren Kantor, wobei hier vielleicht auch überzeugte, das Mitch eine Woche vorher in Weißenfels für Flüchtlinge bei einem Benefizkonzert gespielt hat.

Halle-Abschlussfoto

Mit dabei war John Banse, der kleine Mann, der Gehhilfen braucht und in die Gitarrensaiten griff, sich ehrenamtlich bei Corax-Radio engagiert und Sonntagmittag, dem 13. September, die Südafrikanerin Ann Jangle in seiner Sendung hatte. Sie ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, zur Gitarre ihre kraftvolle und charismatische Stimme erklingen zu lassen. Und dann waren da natürlich jene drei ehrenamtlichen Corax-Redakteure mit Manuela Saenger, die die Veranstaltung initiiert hatte. Wie sie und ihre Kollegen Leonard Peltier mit ihrer Lesung aus dessen im Gefängnis entstandenen Buch „Mein Leben ist mein Sonnentanz“ eindrucksvoll nahegebracht haben, sucht seinesgleichen. Fast schien es, als wäre der Langzeitgefangene, Amerikas Mandela, selbst dabei. Und letztlich war er es auch: Bei der halleschen Uraufführung von Claus Biegert Films „I am the Indian Voice“.

Immer wieder freilich klang in Gesprächen der Zweifel durch, ob Peltier jemals wieder freikommen wird. Doch Zweifel birgt Resignation in sich, Resignation wegen des Zustandes auf dieser Welt. Resignation ist Kapitulation vor Kräften, die gestern das Recht verhöhnt haben und heute die Welt destabilisieren und mit Krieg und Tod überziehen. Dem kann man nur ein millionenfaches „Bis hierhin und nicht weiter“ entgegensetzen. Das schließt den Kampf um die Freiheit für Peltier und andere politische Gefangene ein.

Mitch Walking Elk erzählte nach dem Konzert vom Gespräch mit einem Mann, der ihm berichtet hatte, dass er sechs Jahre alt war, als Native Americans Wounded Knee 1973 besetzten. Er sei klein gewesen und Peltier – 1976 als 31-Jähriger inhaftiert – hat jetzt den nunmehr 40. Geburtstag hinter Gittern gebracht. Mögen Amerikas Mandela die Unterschriften auf der Glückwunschkarte Mut machen, die Manuela Saenger zu ihm in die USA schicken will.

Die 60 Euro, die für Speisen und Getränke eingenommen worden sind, werden dem Verein Tokata Leonard-Peltier-Support-Group RheinMain, dessen Ostgruppe die Aktion unterstützt hat, für die Jugendarbeit zur Verfügung gestellt.           Elke und Holger Zimmer

PS: Vielleicht ist ein Venceremos (Wir werden siegen) als Gruß heute nicht mehr ganz so realistisch, aber vielleicht das No Paseran (Sie werden nicht durchkommen) des republikanischen Spanien?

 

 

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