Gedanken nach den Kundgebungen für Leonard Peltier in Frankfurt, Berlin und Leipzig: Der Kampf geht weiter.

der folgende schöne Bericht über die Peltier – Kundgebungen in Berlin und Leipzig hat uns nun erreicht. Wir danken Elke und Holger Zimmer für ihr großes Engagement und dem Berliner Mumia – Bündnis, den FAU – Genossinnen und dem Netzwerk für die Freiheit der politischen Gefangenen ebenso für die Unterstützung wie den engagierten Musikern.Berlin_-_Bastian_Bandt_spielt

Spielt Obama das Lied vom Tod?

Der TV-Sender Arte spult gerade „Spiel mir das Lied vom Tod“ ab. Es ist früher Sonntagmorgen, der 14. September, und die Frage drängt sich auf: War es das für „Amerikas Mandela“ Leonard Peltier, der zwei Tage zuvor 70 Jahre alt geworden ist? Siebeneinhalb Stunden vorher haben Ralph Schüller und Marcel Winkler ihre Gitarren und Frank Oberhof sein Akkordeon verstaut. Das „Lied vom Tod“ hatten sie nicht im Repertoire. Stattdessen haben die drei Musiker sowohl am Freitagabend am Brandenburger Tor in Berlin als auch am Sonnabendnachmittag an der Leipziger Nikolaikirche bei zwei Veranstaltungen anlässlich des 70. Geburtstages von Leonard Peltier lyrische Titel gespielt.

Berlin_-_zwei_Banner

Vor_dem_B-TorSongs der CD „Alle guten Geister“, die jene begeistert haben, die sich auf sie einließen, Texte vom Vergehen, nicht vom Vergessen, Zeilen voller Liebe und Sehnsucht und nach vorn gerichtetem Blick.

Sechs Musiker haben auf ihre Weise versucht, beide Kundgebungen in den Blickpunkt zu rücken, obwohl sie von Peltier, wenn überhaupt, eher am Rande gehört hatten. Dennoch haben sie sich kurzfristig und ohne Gagenforderungen engagiert. Neben den drei Genannten waren Richard de Bastion, Bastian Bandt und Lorenz dabei. Auch für sie war vor allem der Auftritt vor dem Brandenburger Tor ein Erlebnis, wie sie im Nachhinein bekennen.

Die Veranstaltung in Berlin wurde vom Bündnis Free Mumia ebenso unterstützt wie vom Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen. Teilnehmer hielten Plakate in die Höhe, die Junge Welt verteilte die aktuelle Zeitung mit einem Beitrag zu Leonards Geburtstag. Bekannte Gesichter waren zu sehen, die trotz sibirischer Kälte Anfang Februar 2012 an gleicher Stelle stundenlang für den indigenen Bürgerrechtler vis-á-vis der US-Botschaft demonstriert hatten.

Einen Tag später in Leipzig. Hans-Jürgen Schaller ist aus dem 80 Kilometer entfernten Glauchau angereist. Er ist einer, der schon Unterschriften zuhauf für die Freilassung Peltiers gesammelt hat. Regina Vahldieck ist mit Mann und Sohn die 100 Kilometer aus Staßfurt nach Leipzig gefahren. „Was, tut sich immer noch nichts“, fragt die Lehrerin. Nein, es tut sich nichts in Sachen Begnadigung und die Frau ist enttäuscht von Obama, dem Friedensnobelpreisträger im Präsidentenamt. Hofft er, dass sich das Problem für ihn irgendwann von selbst erledigt? Die Staßfurterin hat zahllose Unterschriften gesammelt, die inzwischen an Konsulate und nach Washington gegangen sind. Und derzeit ist sie dabei, in ihrem Heimatort ein Konzert und mehrere Vorträge in Schulen für den Menominee-Indianer Wade Fernandez zu organisieren. Denn fest steht: Der Kampf geht weiter. Da ist sie sich mit drei Göttingern einig, die gerade in Leipzig sind, nur durch Zufall von der Veranstaltung gehört haben, aber als Sympathisanten dennoch T-Shirts mit Peltier-Aufdruck tragen. Die Musik ist verhallt, ein Informationsstand wird abgebaut und pünktlich setzt der Regen wieder ein. Zwei ältere Frauen kommen noch und setzen ihre Unterschrift unter die ausliegenden Listen. Sie wollen nicht zur schweigenden Mehrheit gehören, wie sie bekennen.

Auch die Musiker, die in Mitteldeutschland schon mehrfach bei der von Frank Oberhof seit 1991 organisierten Liedertour dabei waren, sehen das letztlich genauso. Der Engländer Richard de Bastion (67) ist vor Jahrzehnten das erste Mal nach Deutschland gekommen, das er nach all den Jahren als ein Stück Heimat ansieht. Er bekennt, dass er gern mitgemacht habe, auch wenn er eigentlich das erste Mal bei einer solchen politischen Veranstaltung dabei sei. Kleinkariertes Politikergeschwätz interessiere ihn nicht, aber er sei für Gerechtigkeit, Dialog und Fairplay. Lorenz ist ebenfalls dabei, der mit Nachnamen Stanze heißt. Er ist 40 Jahre jünger und studiert in Leipzig. Ebenso freimütig bekennt er, das erste Mal von dem Fall gehört zu haben: „Aber so, wie es aussieht, bleiben jede Menge Zweifel an der Schuld Peltiers.“ Die hätte auch das Gericht in Fargo in North Dakota 1977 haben müssen. Doch der alte Rechtsspruch „In dubio pro reo“ – im Zweifel zugunsten des Angeklagten – zählte damals nicht. Auch deshalb wird der Kampf gegen dieses Unrecht weitergehen.Leipzig_-_Stand_mit_Schirm_-_Foto_H.J._Schaller

Leipzig_-_Stand_und_Silhouette_-_Foto_H.J._Schaller

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