Spendenaktion Sommer 2021, Spendenstand und zur Begründung der Schwerpunkte

Für uns ungewohnt schleppend verläuft die Sommer-Spendenkampagne. Woran mag es wohl liegen? Sind unsere bisherigen Unterstützer*innen die ewigen Spendenaufrufe zu Sommer und Winter oder zu gezielten Anliegen im Laufe der Jahre überdrüssig? Macht sich der Geldmangel bedingt durch Pandemie, steigende Mieten und Lebenshaltungskosten bemerkbar? Oder lag es einfach nur an den formulierten Spendenzwecken? Es gab Fragen, weshalb wir nun auch indigene Projekte in Südamerika ab und an unterstützen (z. B. im Rahmen der Covid 19 Pandemie oder gegen die Politik der Vertreibung aus den Regenwäldern) und weshalb die Reise der indigenen Delegationen aus Mexiko unterstützt wird. Es gab Fragen, ob denn die immer noch anhaltende Postkarten-Aktion für Leonard Peltier tatsächlich so teuer gewesen sei? Nun, wir wollen auf diese Fragen hier gerne antworten, unabhängig ob dann mehr Spenden fließen oder nicht – Transparenz war und ist für immer immer wichtig gewesen.

Spenden für indigene Projekte und Anliegen in Mittel- und Südamerika: Sehr früh zeichnete sich ab, dass die Covid 19 Pandemie bei den Indigenen Lateinamerikas verheerende Folgen haben würde. Und daher haben wir 2020 und 2021 Gesundheitsprojekte in Brasilien und Kolumbien mit kleineren Beträgen unterstützt. Wir möchten dies nun auch auf Mexiko ausweiten, denn die mexikanische Staatspolitik und vor allem die Politik im Bundesstaat Chiapas nutzt eine intransparente Impfpolitik, um die Indigenen zu spalten und damit vor allem gegen jene Gruppen aufzuwiegeln, die sich kompromisslos gegen die Ausbeutung von Mensch und Natur wehren. Die Folgen zeigen sich aktuell ebenfalls u.a. in Chiapas, wo diese Politik die Position der autonomen zapatistischen Gemeinden schwächen soll. Letztendlich wären hier die Profiteure wieder nur Großgrundbesitzer, Konzerne, korrupte Politiker, Militärs und Polizei sowie die Drogenkartelle. Und wenn die Zahl der an Covid 19 erkrankten und gestorbenen Indigenen steigt, so passt dies nur zu gut in das Kalkül anhaltender Genozid-Politik.

Spenden für die Reise der Delegationen der EZLN, CNI und FPDTA-MPT: Hier kann nahtlos an dem bereits eben geschriebenen angeschlossen werden. Die Europareise der insgesamt ca. 200 Aktivist*innen, die nun auch nach Deutschland führt dürfte wohl eines der größten Ereignisse dieses Jahres sein, wird hiermit doch ein Traum wahr – für die Compas als auch für uns Unterstützer*innen aus Europa. Die drei Gruppen zählen zu jenen Gruppen, die sich eindeutig, kompromisslos und unbeugsam gegen Völkermord, Naturzerstörung, Ausbeutung, Drogenkartelle, mafiöse kapitalistische Staats- und Konzernpolitik wehren und für die indigenen Gemeinschaften das Recht auf uneingeschränkte Selbstbestimmung verlangen. Wir werden weltweit wohl keine weiteren Gruppen finden, die aufgrund ihrer Selbstreflexion und gesellschaftlichen Analysen (auch global) mit einem solch hohen Maß an Integrität und Glaubwürdigkeit überzeugen. Diese Gruppen repräsentieren die Vision einer Basisdemokratie, die sich vom Schatten der Korruption, des Machtmissbrauchs, patriarchalen Gehabes und der Arroganz befreit hat. Und dabei bieten sie sich auch anderen indigenen Bewegungen in Gesamt-Amerika als Vorbild einer von Eitelkeiten befreiten Widerständigkeit an. Denn, wie es Subkommandante Moisés bei der Ankunft in Wien sagte, es geht um nicht mehr oder weniger als um die Existenz des Planeten und damit auch der Menschheit. Gehen der Raubbau an Natur und die globale mörderische Ausbeutungs- und Kriegspolitik ungehemmt weiter, dann wird uns in letzter Konsequenz MOTHER EARTH von der Schulter wischen. Die Reise der Delegation bringt europaweit Menschen zusammen, die sich austauschen wollen, Menschen von Unten, aus den Bewegungen, Alte, Junge, Frauen, Männer, Diverse. Denn es sind auch hier in Europa diese Menschen, die sich gegen Klimakrise, Artensterben, Kohle- & Atomwahnsinn, anachronistische Straßenbauprojekte, Mietwucher, gegen Rassimus und eine europaweite Festungspolitik gegenüber Flüchtenden erheben. Es werden sehr bewegende und nachdenklich stimmende Gespräche über die Perspektiven globaler Widerständigkeit sein. Und eine solche Widerständigkeit bedeutet auch sich mit den Indigenen bei ihren Kämpfen zu solidarisieren, denn diese zahlen aktuell hierfür den höchsten Blutzoll durch Vertreibung, Kriminalisierung, Inhaftierung, Folter, Vergewaltigung, Ermordung – in Kanada, den USA, in Mexiko, Brasilien, Kolumbien, Chile, Guatemala, Nicaragua…….. Und daher werden wir in Zukunft auch schauen, dass wir hier in bescheidenem Umfang unterstützen können

Postkarten-Kampagne für Leonard Peltier: Uns wurde schnell bewusst, dass diese Aktion nicht nur jede Menge Arbeit bedeutet, sondern auch viel Geld kosten wird. Zeitweise bedeutete dies für uns täglich über 10 Stunden ehrenamtliche Arbeit, nächtliche Online-Konferenzen mit unseren Partner*innen in den USA, europaweite Zusammenarbeit und die Beantwortung von hunderten Anfragen sowie Dutzende Postsendungen von Kartenmaterial. Und dies hält bis heute noch an, immer wieder kommen Anfragen aus dem In- und Ausland. Wir haben bereits 2000 Karten nachgedruckt, d.h. es sind 55.000 Karten bislang gedruckt, davon über 54.000 im Umlauf. Dabei hielten sich die Druckkosten mit knapp 1000 € noch in Grenzen dank der solidarischen Unterstützung unserer Druckerei. Am teuersten waren mit ca. 6000 € die Einlegearbeiten bei den 48500 Abos der TAZ und jungenWelt. Dabei haben beide Zeitungen uns hier noch Sonderrabatte eingeräumt und uns mit Voranzeigen unterstützt. Und tatsächlich führten diese Zeitungsbeilagen und deren Voranzeigen zur weiteren Nachfrage von fast 1000 Karten, die wir dann postalisch verschickten. Hierfür bekamen wir manchmal Spenden, manchmal aber auch nicht. Besonders die Portokosten nach USA, Chile und Kanada fielen heftig ins Gewicht. Aber auch die Versendung von Karten an Projekte in den Niederlanden, Belgien, Schweden, Polen, Österreich, Schweiz, Frankreich und Italien war nicht billig. Insgesamt dürften die Portokosten nochmals über 1000 € gekostet haben. War es das alles wert? Ja, so denken wir, denn es sind bereits tausende Karten im Weißen Haus angekommen. Und es werden täglich weiterhin Karten dorthin verschickt. Die Kampagne hat weltweit Unterstützer-Gruppen näher in Verbindung gebracht und viele Personen bewegt, sich zu engagieren. Das Kartenmotiv findet sich nun auch bei anderen Gruppen bei Aktionen für Peltier und hat somit einen hohen Wiedererkennungseffekt innerhalb der Soli-Bewegungen, so z. B. bei der GfbV, bei dem Mumia-Bündnissen, in Italien, bei den Anti-IAA-Protesten etc. Dass bislang dies alles finanziert werden konnte, ist erneut vielen von Euch zu verdanken, außerdem den teilnehmenden und spendenden Aktionsteilnehmer*innen, Gruppen wie AKIN, AGIM, Menschenrechte 3000, Rote Hilfe, und und und…

Soweit also unsere Antwort. Mittlerweile ist TOKATA-LPSG RheinMain e. V. ein weit über Deutschland und Europa hinaus agierender Player im Kampf für Peltiers Freiheit und für indigene Belange unterschiedlichster Art. Dass dies möglich war und ist, ist auch den Spenden zu verdanken. Doch nun ist unsere Kampfkasse ziemlich leer, der Weg unserer Aktivitäten aber lang und mühevoll. Veranstaltungen, die wir in den vergangenen Jahren durchführten und die uns immer auch Einnahmen brachten, fallen aufgrund Covid 19 aus, vor allem Veranstaltungen mit Indigenen aus den USA. Ohne Eure Solidarität können wir unsere zu 100% ehrenamtliche und ohne Aufwandsentschädigungen betriebene Arbeit nicht wie gewollt fortführen. Nach der Sommer-Aktion stehen für den Winter vor allem wieder Unterstützungen für indigene Sozial- und Umweltprojekte in den USA und Kanada an, aber dies ist noch Zukunftsgedanke. Wir danken Euch für Euer Interesse, Eure Unterstützung – ideell, personell, finanziell. Unser Versprechen: wir machen weiter.

Die Spendeneingänge dokumentieren wir wieder auf einer Extraseite: https://www.leonardpeltier.de/spendenaktion-sommer-2021

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