Bericht vom 2. Mitteldeutschen Native American Day

Wir danken allen Musiker*innen und Beteiligten sowie den Organisatoren, Holger und Elke Zimmer, für ihr tolles Engagement. Hier der Bericht zu einer bemerkenswerten und wichtigen Veranstaltung, mit dem wir uns gerne solidarisieren. In diesem Sinne war es denn wohl auch richtig gestern im hessischen Rodgau AFD – Frontfrau Frauke Petry und dem ungeistigen Fußvolk auf der Straße massiven Protest entgegenzusetzen, trotz großer Polizeipräsenz. Unser Kampf für Menschenrechte geht weiter, unser Kampf für Peltiers Freiheit ebenso. Und in Anspielung an den im folgenden Artikel immer wieder angeführten Dylan-Song “Blowing in the Wind” können wir, um im Bild zu bleiben, nur klar und deutlich sagen: wer Wind sät, der wird Sturm ernten – und  wir sammeln für diesen Strum gerade alle unsere Kräfte.

Die Antwort kennt allein der Wind? – Ein Fazit zur Aktion für Frieden weltweit und Leonard Peltiers Freiheit in der Johanneskirche in Halle.

Die Antwort kennt ganz allein der Wind: „Blowin‘ in the wind“, wie Bob Dylon gesungen hat. Die Idee, gerade das am Ende des achtstündigen Musikmarathons am Sonntag in der halleschen Johanneskirche zu singen, hatten die Amerikaner Robert Williams und Wayne Grajeda.

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Im Westberlin der 1970er Jahre gehörten sie einer Musikerkommune an. Robert hat zu einem Viertel Indianerblut in den Adern. „Es bedeutet mir viel, heute hier zu sein“, sagte er, der sich auch politisch engagiert und den Fall Peltier kennt. Natürlich spielt er für den nun 72-Jährigen Langzeitgefangenen, doch ob dieser freikommt, da hat er Zweifel. Die Antwort kennt eben ganz allein der Wind…

Robert und Wayne haben sich am Sonntag nach einem Termin in Berlin ins Auto gesetzt und Ralf „Trotter“ Schmidt und Tommy Goldschmidt mitgebracht, um pünktlich beim Auftritt in Halle zu sein. Auch Nadine Maria Schmidt hat eine lange Anfahrt. Dann musiziert sie mit ihrem Lebensgefährten Chris Turrak im Chor der Johanneskirche. Am Abend zuvor hatte sie den Förderpreis der Liederbestenliste bekommen. Im Programm jenes Abends stand auch Konstantin Wecker auf der Bühne. Nadine sang über Flüchtlinge und vom Frieden, der zuerst bei jedem von uns anfängt, wie sie betonte.

Ausnahmslos alle Künstler hatten eine längere Anreise und haben ohne Gage gespielt. Und sie haben sich nicht nur mit dem Anliegen dieses     2. Mitteldeutschen Native American Day in Halle identifiziert, sie haben auch ihr Programm entsprechend ausgerichtet. Anne Heisig zum Beispiel, deren Video in diesem Jahr im Libanon im Privatfernsehen lief. Sie sang dabei ein arabisches Lied. Jörg Kokott hat nicht nur mit „Holliday in Guantanamo Bay“ überzeugt, das das amerikanische Gefangenenlager auf Kuba in den Mittelpunkt stellt. Stephan Krawzcyk kam aus Berlin, begeisterte mit seinem Programm, sang, las, ließ die Maultrommel erklingen und düste zurück in die Hauptstadt. Wie Kokott sprach auch er seine Hoffnung aus, dass Peltier freikommen möge, ließ aber auch seine Zweifel anklingen. Die Antwort kennt ganz allein der Wind…

Wie auch anders? Oder wer kann verstehen, wenn in Deutschland Rechtspopulisten und Rechtsradikale Oberwasser gewinnen, Flüchtlinge vom Bautzener Kornmarkt vertreiben und in Berlin ins nächste Parlament einziehen? Herrschte noch vor Jahresfrist Willkommenskultur, man darf das getrost auch als pure Menschlichkeit bezeichnen, so hat jetzt Gleichgültigkeit und Gefühlskälte die Oberhand gewonnen. Außer in linken Zeitungen wie der Jungen Welt spielt die gefährliche Flucht übers Mittelmeer keine Rolle mehr. Das Grenz-Bollwerk steht, lassen wir sie doch ertrinken… Oder gibt es doch noch jenseits von Ceta und TTipp, die unsere persönlichen Interessen tangieren, einen Aufstand der Anständigen, der Gutmenschen? Kennt die Antwort wirklich ganz allein der Wind?

Am Rande des Musik-Marathons gab es manch notierenswerte Geschichte. So musizierte der Bluessänger Dirk Müller aus Leißling bei Weißenfels gemeinsam mit Mitch Walking Elk, der Tage zuvor noch gegen die Pipeline in North Dakota protestiert hatte, die dort Indianerland tangieren soll. Andreas Schirneck, der auch mit Neil-Young-Songs brillierte, versprach wiederzukommen. Regina Vahldieck kam mit Jörg Kokott ins Gespräch, den sie mit seinen Balladen mal an ihre Staßfurter Schule holen möchte. Oder Carola Winkler, die am Wettiner Gymnasium unterrichtet und Anfang November den Menominee-Indianer Wade Fernandez zu Gast hat. Und dann kam Jürgen Hantschmann, der einen dicken Ordner mit Zeitungsberichten über Native Americans aus den 1970 und 1980er Jahren übergab, weil er meinte, dass der bei uns in guten Händen sei.

Wir sagen danke: Allen 20 Musikerinnen und Musikern (dazu gehören auch Joe Kucera, Carly Peran, Wolfgang Vallentin, Pascoal Uamba, Jann van de Kaast und Marcel Winkler) sowie dem Tontechniker DaLi Knagge Ein Dank gilt der Kirchengemeinde und Pfarrer Karsten Müller, der Cateringfirma Lies & Lies, vor allem aber Frank Oberhof und Ralph Schüller. Beide haben uns mit weiteren Musikern bereits das dritte Jahr hintereinander selbstlos unterstützt, obwohl die Besucherzahl hätte höher sein können. Am Ende sind 650 Euro zusammengekommen, die – wie angekündigt – zu jeweils 50 Prozent an das Pferdeprojekt in der Pine-Ridge-Reservation in South Dakota, um die Jugend zu unterstützen, und den Welcome-Flüchtlingstreff der Freiwilligen-Agentur Halle-Saalkreis e.V. gehen. Ein Dank geht auch an Bianka Hoffmann, Ute Friedemann und Laura Rupprecht die Informations-, CD- und Kuchenstand betreut oder liebevoll mit Kindern gebastelt und gespielt haben.

Lassen wir nicht nach in unseren Bemühungen für Leonard Peltier. Denn – sorry Bob – die Antwort gibt eben nicht allein der Wind. Die Antwort geben immer noch wir, wenn wir nicht als Ja-Sager, Mitläufer und Weggucker auf den Scherbenhaufen der Geschichte gehören wollen.                                 Elke und Holger Zimmer  halle2

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