Travel-Blog Teil 3: 11. – 13.9.2026: Zu Besuch bei Leonard Peltier
Am frühen Nachmittag des11.9. komme ich bei Leonard an, bekomme mein Zimmer gezeigt und dann haben wir erst einmal ausgiebig Zeit uns zu unterhalten. Hinzu kommt ein Nachbar, Roland, und beide erklären mir, dass es künftig auch einen Energiemix aus Solar und Wind für Leonard geben wird. Erste Solar-Module sind bereits an der Garage angebracht und das kleine Windrad ist bereit, um an einem Hang aufgerichtet zu werden. Leonard lässt es sich nicht nehmen, mir die Stelle zu zeigen.
Als wir unter uns sind berichtet Leonard über seine aktuelle Gesundheitssituation und auch die Überlegungen, gegen den Hausarrest samt Restriktionen juristisch vorzugehen. Bei seiner letzten Untersuchung diagnostizierten die Ärzte, dass er innerlich Blut verlieren würde. Eine adäquate Untersuchung kostete über 1000 US-Dollar, und wurde nicht durch Medicare o.ä. Programme übernommen. Mit der Übergabe unserer Spende an Leonards Treuhänder konnte diese Rechnung beglichen werden, was für Leonard eine große Erleichterung bedeutete. Bei dieser Gelegenheit dankte er nochmals ausdrücklich den Unterstützer*innen aus Europa und unseren Spender*innen sowie unserem Verein, verbunden mit der Bitte, ihn auch weiterhin zu unterstützen.
Gegen Abend kamen Carol vom früheren ILPDC, Gavrielah von Amnesty International und Barbara aus Hawaii zu Besuch. Kurz vor Mitternacht, also kurz vor Leonards 82. Geburtstag kam dann eine Email des Bureau of Prisons an, in dem Leonard Peltiers Antrag auf eine Reise nach New York zwecks Teilnahme an einer Kunstauktion für seine Gemälde, mit einer Reihe restriktiver und auch repressiver Auflagen versehen wurde. Wir waren uns einig, hierauf rechtlich zu reagieren und das Formular mit den Auflagen erst einmal so nicht zu unterschreiben. Doch die Stimmung war danieder, auch noch beim Geburtstagsfrühstück am kommenden Morgen.
Neben zahlreichen Gratulationsanrufen sorgten ab mittags die ankommenden Kinder, Enkel und Urenkel für einen Stimmungswechsel. Wir übergaben unsere Geschenke, nicht nur vom Verein sondern auch persönliche Geschenke und außerdem ein T-Shirt , dass Heiner aus Göttingen bedruckt und uns mitgegeben hatte (bei den Bildern unten zu sehen). Der Abend klang mit einer Schwitzhütte im kleinen Kreis aus. Leonard, eine Lehrerin aus der Turtle Mountain Reservation, fünf angereiste Mitglieder der Buffalo Society und ich beendeten Leonards 82. Geburtstag mit dieser Zeremonie und einem anschließenden gemeinsamen mitternächtlichen Essen.
Nach weiteren Gesprächen und einem Interview, dass ich mit Leonard für eine Zeitschrift machte, hieß es ca. um 15 Uhr von Leonard und der Turtle Mountain Reservation Abschied zu nehmen. Es war ein sehr herzlicher Abschied, vor allem auch von Leonards Verwandten, die sehr deutlich zu verstehen gaben, wie dankbar sie für die 26 Jahre unserer Unterstützung im Kampf um Leonards Freiheit aber auch indigene Belange sind. Diesen Dank geben wir nochmals an unsere Vereinsmitglieder sowie unseren Unterstützer*- und Spender*innen weiter. Und nach ausführlichen Gesprächen können wir sagen, es wird auch weiterhin notwendig sein, dass Leonard Peltier unterstützt wird, damit er all die gesundheitlichen sowie rechtlichen Folgen seiner nahezu 50jährigen Inhaftierung bewältigen kann. Dieses Versprechen haben wir ihm gegeben.
Im Power-Drive von Nord- nach Süd-Dakota.
Belcourt liegt nur wenige Meilen südlich der Grenze zu Kanada. Um zu meinem nächsten Zielort zu gelangen, lagen ca. 12 – 13 Stunden Fahrt vor mir. Allerdings hatten wir 2025 nach unserem viertägigen Besuch bei Leonard einen anderen Weg genommen. Diesmal führten mich die Highways stundenlang durch menschenleere Landschaft. Da und dort mal eine Farm oder Ranch, Weidezäune, kleine Seen. Doch erst nach ca. 3,5 Stunden erreichte ich mit Bismarck und Mandan die ersten Orte, beide etwas nördlich des Verlaufs der Dakota Access Pipeline gelegen. Die weitere Fahrt führte dann einem kleinen Ort vorbei durch Prärielandschaft. Erneut keine Ortschaft, keine Tankstelle, kein Rastplatz. Als ich die Standing Rock Reservation erreichte, begann es bereits zu dunkeln. Dann begann eine 4stündige „Nachtfahrt“, immer wieder mit geringem Tempo aufgrund der zahlreichen Hirsche, Kojoten, Füchse, Waschbären, Stachelschweine etc. am Straßenrand. Nach über 900 km und ca. 10 Std. Fahrt, davon die letzten Stunden bei Dunkelheit und Sturm, erreichte ich Rapid City. Von dort aus sollte es dann am nächsten Morgen weiter in die Pine Ridge Reservation Süd Dakotas gehen.







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