Grußbotschaft aus der Pine Ridge Reservation an die Mahnwache in Frankfurt.

Anlässlich der heutigen monatlichen Mahnwache in Frankfurt und damit zu Beginn deren 13jährigen Bestehens sendete Michael Koch eine Grußbotschaft an die Teilnehmer*innen der heutigen Mahnwache. Die wir hiermit veröffentlichen:

liebe Mitmahnwächter*innen, ich sende euch Grüße an die heutige Mahnwache am 17. September 2026 aus der Pine Ridge Reservation in Süd Dakota/USA. Zurückblickend war unsere erste Mahnwache für Leonard Peltier, die wir organisierten im Dezember 2000 noch vor dem früheren US-Generalkonsulat im Frankfurter Westend, damals mit dem indigenen Schriftsteller Lance Henson, der mit einer Delegation der GfbV dazu kam Die nächste Mahnwache dort war u.a. mit unserem Vereinsmitgründer Mo Berndt sowie Michael Schiffmann und damit erweiterten wir den Fokus um Mumia Abu-Jamal. Bis 2014 fanden die folgenden Mahnwachen unregelmäßig und eher situationsbezogen statt. Doch seit September 2014 änderte dies sich. Anfänglich am 5. Tag des Monats und später am 17. wurden die Mahnwachen zur monatlich regelmäßig stattfindenden Aktion. D.h., heute beginnt das 13. Jahr unserer regelmäßigen Mahnwachen. Für diese Ausdauer und diese Engagement danke ich euch. Im Namen des Vereins hätte dies ansonsten Claudia getan, die aber aufgrund eines Unfalls dies nicht übernehmen konnte

Ich war jetzt drei Tage bei Leonard Peltier, u.a. anlässlich seines 82. Geburtstages. Ich soll euch in seinem Namen und im Namen seiner Familie für eure Unterstützung ganz herzlich danken. Und er bittet auch zukünftig um Hilfe, die er vor allem im medizinischen und rechtlichen Bereich dringend weiterhin benötigt. Mehr hierzu bei unserer nächsten Mahnwache.

Jetzt bin ich wieder in der Pine Ridge Reservation und besuche dort Freund*innen und Projekte, informiere mich über aktuelle Entwicklungen und übergebe Spenden. Diese Spenden stammen aus unserer Sommer- und letzten Wintersammel-Aktion, aus den Einnahmen für unser neues Buch (Indigene Kämpfe in den Americas. Gegen Spende bei uns beziehbar unter lpsgrheinmain@aol.com. 5 € + Porto), allgemeinen Spenden an den Verein sowie Spenden einer nicht-öffentlichen Sammlung für drei von Notlagen betroffenen Familien, die unsere langjährigen Projektpartner sind. Und natürlich auch von uns als Privatpersonen. So konnte ich bereits nach einer Woche ca. 5000 € Spenden übergeben, so für die Begleichung einer offenen Arztrechnung Peltiers, für ein Lakota Teenager Suicide Prevention Project, für das indigene Umweltprojekt RED CLOUD RENEWABLE ENERGY, die Cedar Face Foundation, und zur Unterstützung der Pflegekosten von Peliers Cousin und unserem langjährigen Freund und Projektpartner und Referenten James Robideau und dessen Frau Isabella. Mit James verbindet uns ebenfalls ein Jubiläumsjahr. Seit 25 Jahren kennen wir uns bereits. Er hat mit seiner Anregung dazu beigetragen, dass unsere deutsch-indigenen Jugendkulturbegegnungen entstanden, aus denen dann so viele weitere Projekte und Aktivitäten entstanden. Sie alle danken euch und senden Euch beste Grüße und ihre Prayers. Weitere Spenden gehen die kommenden Tage an die Buffalo Field Campaign, an bestimmte Aktionen des NDN Collectivs und des Indian Protector Movements.

Wieder hier zu sein und dies seit nunmehr 24 Jahren zeigt deutlich, wie wichtig kontinuierliche, verlässliche und vertrauensvolle Kooperation und Unterstützung ist, ohne die Menschen hier im paternalistischen Sinne als Objekte von Hilfe zu behandeln. Dies sehen die Menschen hier und auch Leonard ebenso und richten dabei uns aus, dass sie genau diese Unterstützung auf Augenhöhe auch in Zukunft wünschen und wertschätzen. Unsere Supportarbeit unterscheidet sich dabei fundamental von dem Engagement sonstiger humanitär-caritativer aber auch politischer Gruppen, denn wir vermitteln weder Glaubensgrundsätze noch politische Ideologien. Indigene haben lange genug erlebt, dass Hilfe mit Ziel daher kommt zu Christianisieren, zu bestimmten Ismen zu agitieren, religiös-sekular zu missionieren. Diese Kritik richtet sich auch an “linke” Unterstützer*innen, die wohlmeinend aber nicht wohltuend meinten, die Lebens- und Widerstandsformen der Indigenen hier mit ihren Vorstellungen von Widerstand, Protest und Revolution zu “beglücken” und damit erneut zu Objekten zu degradieren und zu kolonialisieren. Umgekehrt findet im Rahmen einer sich aus postkolonialistischen Debatte verstehenden Position heraus eine Kritik statt, die ebenfalls wieder über die Köpfe der meisten Betroffenen hinaus geht und auch unsere Supportarbeit sowie die vieler anderer langjähriger NGOs damit diffamiert, ohne den geringsten nutzbringenden Beitrag für die Menschen und deren Belange und Kämpfe selbst zu leisten. Nochmals, Leonard und unsere indigenen Partner und die durch diese wiederum unterstützten Menschen danken euch und hoffen auf auch zukünftige Zusammenarbeit.. In diesem Sinne, der Kampf geht weiter…nicht nur für Leonard, die Indigenen, Mumia Abu-Jamal, gegen Todesstrafe und Knastsysteme, imperialistische Politik der USA und anderer und für Gerechtigkeit, Menschenrechte, Umwelt.

aus Oglala grüßt euch

Michel aka Michael Koch

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