25.6.1876 – heute vor 150 Jahren: als die Massaker-Pläne der US-Kavallerie nicht in Erfüllung gingen

Die Reihe der militärischen Aktionen, Gemetzel und Massaker an den indigenen Ureinwohner*innen dessen, was sie heute USA nennen, ist unendlich lang. Allein in dem Zeitraum von 1790 bis 1890, also der Zeit der sogenannten Indian Wars starben bei militärischen “Auseinandersetzungen” (welch verzerrend, beschönigendes Wort) zwischen US-Soldaten und indigenen Landverteidiger*innen schätzungsweise 2.283 Soldaten und ca. 400.000 Indigene. Dies ist mehr als Statistik. Lasst einfach mal die Dimension dieser Zahlen für ein paar Minuten in Euch wirken, um die Ungeheuerlichkeit des längsten Völkermords der Welt zu begreifen und nachzuempfinden.

Die Massaker von Sand Creek von 1864 unter Colonel J.M. Chivington, dem 450 bestialisch verstümmelte Cheyenne zum Opfer fielen; das Massaker am Washita River von 1868 unter Georg Armstrong Custer, bei dem 103 Cheyenne ermordet, 53 Cheyenne-Frauen und -Kinder entführt und 800 Ponys der Cheyenne abgeschlachtet wurden; das Massaker von Wounded Knee von 1890, bei dem 16 Tage nach dem Mord an Sitting Bull durch “Indianer-Polizisten” mindestens 153 Lakota getötet wurden (andere Quellen nennen weitaus höhere Todeszahlen); die Jagd auf die Nez Percé und der Cheyenne – Breakout und all die vielen hundert bis tausend Kilometer langen Vertreibungsmärsche, bei denen weit über zehntausend Menschen starben….all dem hätten US-Militär und -Politik und eine rassistische weiße Bevölkerung gerne ein weiteres Massaker hinzugefügt, nämlich einen tausendfachen Mord an Cheyenne, Arapaho und Lakota am 25. Juni 1876. Es sollte eine Vernichtungsoffensive sein, die ganz im Sinne der 100 Jahrfeier der “US-Unabhängigkeitserklärung” stand. (Zitat aus WIKIPEDIA: Im Jubiläumsjahr 1876 feierten die Vereinigten Staaten von Amerika ihr 100-jähriges Bestehen, ein Sieg über die Indianer wäre höchst willkommen gewesen, und so ordnete man eine Strafexpedition gegen die rebellischen Stämme an (Centennial Campaign). Sie hatte das Ziel, alle von ihnen einzufangen und in die Reservate zu zwingen oder zu töten. Custer wurde beauftragt, alle davon betroffenen Ureinwohner bis zum 31. Januar 1877 umzusiedeln. Schlacht am Little Bighorn – Wikipedia) Also wieder unter Führung von Georg Armstrong Custer und der 7. US-Kavallerie plante die Armee ein vermeintlich unterlegenes indigenes Camp mit tausenden Frauen und Kindern anzugreifen und geriet dabei jedoch in eine strategisch gut geplante Falle. Und so fand heute vor 150 Jahren letztendlich kein weiteres Massaker an den Indigenen Nordamerikas statt. Bei der Schlacht von Little Bighorn, auch unter den Namen Custer’s Last Stand oder die Schlacht von Greasy Grass bekannt, kämpfte eine Überzahl der Northern Cheyenne-Arapaho-Lakota – Allianz gegen die anrückende Armee. Was reaktionäre weiße Geschichtsverfälscher als “Massaker von Little Bighorn” bezeichneten war tatsächlich eine “Battle”, bei der last not least ca. 260 Soldaten, Scouts und Begleitpersonen sowie eine niedrigere Zahl indigener Kämpfer starben – und so auch Georg Armstrong Custer,

Quelle:
We are still here – Zu Geschichte, Klischees & Gegenwart des indigenen Amerikas in den USA und
                   all over the “Americas” Vortrag Dr. Michael Koch, Frankfurt am Main 26.01.2026  Friedrich-Dessauer-Gymnasium, Ffm – Höchst

Gedenken wir also an diesem Tag den mutigen indigenen Protectors, die ein weiteres Massaker vereitelten. Sie hielten zwar den Lauf der Völkermord-Geschichte nicht auf Dauer auf, setzten aber ein wichtiges Signal – ein Signal, so wie mit der Gründung von AIM 1968 oder mit dem zapatistischen Aufstand der EZLN 1994: “wir sind noch nicht besiegt, wir sind noch da und wir kämpfen um unsere Rechte und Land, unsere Kultur, Geschichte und Würde.” Ein Kampf, der nicht beendet ist, solange es Orte, Counties, Nationalparks, Berge etc. gibt, die nach militärischen Massenmördern wie Custer, Chivington, Harney, Sturgis, Reno etc. benannt sind. (Lit.: Ein Leben für die Freiheit – Leonard Peltier und der indianische Widertand, 2016/2017, S. 31 – 41, Traumfänger Verlag; unter lpsgrheinmain@aol.com bei uns bestellbar).  

gesehen an einem Kühlschrank in der Menominee-Reservation

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