Narrenfreiheit statt Despotie
Witze und Karikaturen über Despoten, Tyrannen, Diktatoren und autoritäre Herrschende – gleich ob aus religiösen, politischen oder ökonomischen Kontexten – sind eigentlich die harmloseste Form sich mit diesen Masters of Death auseinanderzusetzen. Doch diese autoritären und z. T. auch faschistoiden Autokraten wissen ganz genau, dass Lachen eine subversive Kraft entfalten kann und dass ein Sandkorn im Getriebe der Herrschenden Systeme sprengen kann. Wer nun dem Druck der Herrschenden nachgibt, droht selbst zum Steigbügelhalter der Unterdrückung zu werden. Nach dem islamistischen Anschlag auf Charly Hebdo am 7. Januar 2015 veröffentlichten wir auf unserer Website folgendes Statement:aussi nous sommes Charly: unsere Solidarität, Anteilnahme allen Opfern, Angehörigen und demokratischen Menschen und Kräften Frankreichs im Sinne der Ideale der Französischen Revolution. Stift, Feder, Pinsel und Tastatur werden über Macht, Dummheit und Terror siegen. Allen Feinden der Freiheit: wir lachen euch zu Tode.
Der Terroranschlag war auch Thema der folgenden Rosenmontagszüge. Doch in Köln zogen die Funktionärsnarren einen Motivwagen zurück. War es Unsicherheit, Angst, fehlende Courage? Wir waren als Menschenrechts-Aktivist*innen empört und zornig. Also griffen wir zur Methode der Piraterie und kaperten das Motiv, druckten es auf ein großes Banner mit einem kritischen Kommentar und spannten es am Rosenmontag 2015 vor unser Haus, an dem an diesem Tag tausende Besucher*innen des Seligenstädter Rosenmontagzuges vorbeizogen. Immer wieder blieben diskutierende Gruppen vor unserem Haus stehen, um unsere Aktion zu kommentieren.

„Unkölsche Feigheit“ hieß es an vielen Orten und allenthalben. In Düsseldorf spottete deren oberster Karnevalswagendesigner Jacques Tilly.„Köln liefert ein Beispiel für vorauseilenden Gehorsam und für Selbstzensur“, …. Dabei sei der abgesetzte Wagen noch harmlos: „Er verhöhnt weder das islamische Gottesbild noch den Propheten noch irgendwelche Jungfrauen. Die Karosse sollte einen unschädlich gemachten Dschihadisten zeigen. Der Bleistift ist stärker als eine Knarre: ein herrliches Bild für die Kraft des Witzes.“ Für die Zukunft des Karnevals sei die Entscheidung ein schlechtes Zeichen: „Das Kölner Komitee ist zu früh eingeknickt. Wenn es sich das nicht mehr traut, dann hat der politische Karneval seine besten Zeiten hinter sich. Mit der Schere im Kopf ist nicht gut lachen.“
Nun steht dieser Jacques Tilly im Fokus russischer Imperialisten im Kreml, die ihre Freisler-Kommandos auf den Düsseldorfer ansetzen. Wir sind gespannt auf die Reaktion ewig Gestriger hierzulande zu Majestätsbeleidigungen an reaktionären Autokraten, denn selbst ein rechter Tyrann wie Putin ist nicht nur für AFDler*innen sondern auch revisionistische Pseudolinke sakrosankt. Für uns erneut ganz klar ein Ansporn unsere antiautoritäre Spaßkappe aufzuziehen und uns mit Jacques Tilly und allen weiteren Kritiker*innen und Gegner*innen von Tyrannen zu solidarisieren, vor allem mit jenen Menschen, die unter den Trumps, Putins, Erdogans, Orbans, Xi Jinpings etc. leiden. Und nur um es klar zu stellen: bei Völkermördern und Kriegsverbrechern, Folterern und Kerkermeistern hört der Humor auf.
https://www.zdf.de/nachrichten/zdfheute-xpress/russland-klagt-deutschen-kuenstler-an-video-100.html




Schreibe einen Kommentar