Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen
Es ist ein globales Phänomen und dazu sehr vielfältig und vielschichtig: Gewalt gegen Frauen. Gewalt gegen Frauen ist auch im 21. Jahrhundert immer noch alltäglich, als patriarchale Gewalt, als strukturelle Gewalt, als sexuelle Gewalt, als politische Gewalt, als familiäre Gewalt, als Gewalt im öffentlichen Raum, als physische und physische Gewalt. Die Zahlen sind erschreckend, die Dunkelziffer an Taten dürfte es noch viel mehr sein. Und Deutschland ist da keine Ausnahme. Dabei wird das Thema politisch und populistisch ausgebeutet, als wäre männliche Gewalt gleichbedeutend mit Stadtbild, dunklen Gassen und fremden Männern. Obwohl wir wissen, dass die Gefahr für Frauen dann am größten wird, wenn sie mit ihrem Schlüssel die Haustüre öffnen – egal ob hierzulande oder anderswo.
Als Menschenrechtsgruppe nehmen wir daher Stellung. Jede Form von Gewalt und jeder Ort von Gewalt gegen Frauen ist ein No-Go, ob hier in Deutschland oder in Asien, ob in der Upper-Class oder im Armutsmilieu, ob als geplante Tat oder im Affekt, ob kulturell determiniert oder in unseren eigenen Milieus.
In diesem Kontext erinnern wir an den zapatistischen Aufstand vor 31 Jahren. Dieser wäre nicht möglich gewesen, wenn die Forderungen dortiger indigener Frauen nicht erfüllt worden wären. Und hierzu zählten u.a. ein klares Verbot von männlicher Gewalt gegen Frauen, ein Verbot von Drogen und Alkohol – letzteres oftmals Brandbeschleuniger im Kontext von Gewaltbereitschaft. Diese Frauen wussten worauf sie pochten, denn patriarchale Gewalt und Rollenzuschreibung gab und gibt es auch in indigenen Gemeinschaften. Diesen Zustand zu beenden ist einer der wesentlichen Beiträge der indigenen zapatistischen Bewegung.
Im Kontext von Gewalt gegen Frauen bei Indigenen fällt uns ansonsten das Phänomen der Missing und Murdered Indigenous Girls and Women ein. Vor allem die sexuelle Gewalt gegen indigene Frauen ist z. B. in den USA zehnmal häufiger als gegen Frauen aus anderen Ethnien. Das Spektrum reicht dabei von verbalen und tätlichen sexuellen Übergriffen über Zwangsprostitution und Vergewaltigung bis hin zu Entführung und Mord. Die Täter, männlich und häufig non-native. Doch auch in der eigenen Community richtet sich männliche Gewalt gegen Frauen: ob in der Familie oder als Gang-Delikt. Phänomene, die es, so haben dies uns einige Lakota-Frauen berichtet, in deren Kultur nicht gegeben habe. Und auch im Kontext von indigenen Frauen im Widerstand und Kampf für Umwelt und Menschenrechte werden diese immer wieder zur Zielscheibe von Gewalt durch Paramilitärs, organisiertem Verbrechen, Polizei und Militär.
25. November – Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen. Was ist mit den anderen 364 Tagen im Jahr?


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