Passend zu COP 30: deutsche Politik und Wirtschaft schickt Cops in besetzte Wälder
Nein, wir wollen das gesellschaftlich durchaus komplexe und komplizierte Thema einer (scheinbaren) Ambivalenz zwischen Ökonomie und Ökologie nicht vereinfachen. Uns ist sehr wohl bewusst, dass bei der Lösung gegenwärtiger und zukünftiger Probleme umfassend die Aspekte Umwelt, Soziales, Wirtschaft im Sinne nachhaltiger Entwicklung reflektiert werden müssen. Dabei stehen wir, um es ganz klar zu sagen, für eine gesellschaftliche Perspektive, die jenseits von Green- & Socialwashing, nationalstaatlichen Interessen und eines “grünen” Kapitalismus und gegen eines pseudoökologischen Ablasshandels ist, der uns Sand im Sinne von “auch in Zukunft unbegrenzten Wachstums” in die Augen streut. Kurz, hier stehen wir vielen unserer indigenen Freund*innen und Partner*innen – und hier vor allem den zapatistischen Indigenen- wesentlich näher, als Teilen der hiesigen Bevölkerung.
Doch es gab auch hierzulande andere Zeiten: Zeiten des aufkommenden Anti-Atom-Widerstands, Zeiten der Massenmobilisierung von Fridays for Future, Zeiten in denen selbst staatstragende Politiker*innen und Wirtschaftsvertreter*innen eine ökologische Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft für machbar hielten. Letzteres natürlich nur, wenn die herrschenden Besitz- und Herrschaftsverhältnisse unangetastet bleiben. Doch genau so wird es nicht gehen. Ein Narr/eine Närrin, die daran glaubt, die Reichen und Mächtigen, die Herrschenden und Besitzenden würden dies hier und anderswo zulassen. Und ein Narr/eine Närrin, die derzeit glaubt, die Mehrheit der Menschen bei dem Umbau der gesellschaftlichen Verhältnisse hinter sich zu bringen. Dazu sind WIR mehrheitlich weder emotional noch intellektuell in der Lage. Besitzstandswahrung, Existenzängste, die Furcht vor der Freiheit (siehe Erich Fromm), Egoismen, Gier auf immer mehr, Status- und weißes Vorherrschaftsdenken, Gleichgültigkeit und Ignoranz, Unwissenheit und Verdummung sind einige Elemente, die unser (Mit)Fühlen, Denken, Handeln lähmen. Hier liegt parallel zur politischen Bewusstseinsbildung im Sinne einer ökologisch-, sozial- und menschenrechtsbasierten Orientierung auch in der Zukunft die Herausforderung an uns, nämlich einen Beitrag zu Empathiefähigkeit, praktischer Solidarität, zur Humanisierung von Gesellschaft und uns selbst zu leisten. Wer sich den Verlauf von COP 30 anschaut, wird feststellen, dass wir hiervon noch weit entfernt sind. Das mehr als peinliche und verlogene Gerede unserer Regierenden und die Schamlosigkeit der sich dort tummelnden Wirtschafts-Lobbyisten zeigt die ungeschminkte Arroganz der Profiteure von Ausbeutung und Zerstörung. Kein Wunder also, wenn parallel zum Kongress der großen Worte und kleinen Beschlüsse bei uns für kurzfristige Kapitalinteressen Bäume fallen – im Langener Bannwald und im Manheimer Sündenwäldchen. Und wieder dürfen die Cops die Entscheidungen von Politik und Wirtschaft bei der Räumung der besetzten Wälder durchsetzen. Für uns ist und bleibt es aber klar, was wir 2020 auch in Keyenberg bei einer Rede verkündeten: wenn wir es mit “Alle Wälder bleiben” ernst meinen, so gilt dies halt für “alle Wälder”, gleich ob am Amazonas, in Rumänien, Kanada. Es gilt auch für die Olivenhaine palästinensischer Bauern in der West-Bank oder hierzulande beim BANNY und SÜNDI. Unsere Solidarität gilt allen Waldbesetzer*innen und -beschützer*innen.
https://wald-statt-asphalt.net/das-suendenwaelchen-wird-geraeumt/
und Sündi-Ticker: https://t.me/suendibleibt


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