(German/English): Zu Besuch bei Leonard Peltier – Tag 4 (24.6.)/Visiting Leonard Peltier – Day 4
Am 24. Juni besuchten wir Leonard noch einmal, um uns bei ihm für dieses Mal zu verabschieden. Es waren intensive und informative vier Begegnungstage, insgesamt 25 Stunden Gespräche, Diskussionen, gemeinsame Essen, Sonnentanzbesuch. Der Abschied tat uns allen sichtbar weh. Doch wir werden in Zukunft enger zusammen arbeiten, als jemals zuvor. Das ist sein Wunsch an uns und unser Versprechen als Verein und Personen. Nach dem Abschied ging es dann in 10stündiger Fahrt nach Rapid City (Süd Dakota) und morgen weiter in die Pine Ridge Reservation, um dem Oglala Commemoration Committee bei den Vorbereitungrn des wohl letzten Oglala Commemoration Days zu helfen. Danke für dein Vertrauen, das Teilen deines Wissens, deine Zeit und für deine Freundschaft, Leonard.
Zur aktuellen Situation Leonard Peltiers: Leonard Peltier lebt unter den Restriktionen seines bis 2040 andauernden Hausarrests (dann wäre er 95 Jahre alt), gegen den aber nun juristisch angegangen wird. Er schätzt seine Chancen dabei recht optimistisch ein. Trotz aller durch den Hausarrest bedingten Einschränkungen geht es ihm gut. Er kann zu jeder Zeit telefonieren, Gäste nach Anmeldung empfangen und nach Mitteilung auch zu Einkäufen, Arztbesuchen, Teilnahme an Meetings und Zeremonien sein Zuhause bis zu einem Umkreis von 160 km verlassen, wobei auf seinen 24Stunden-Hilfsdienst angewiesen ist. Weitere Fahrten muss er beantragen. Umgeben von Wiesen und Bäumen wurde für ihn ein kleines komfortables Haus bereitgestellt, dass mit allem Notwendigen ausgestattet ist. An den Wänden zieren viele seiner Gemälde die Räume. Es strahlt Gemütlichkeit aus. Neben Küche, Bad, Wohn- und Schlafzimmer, gibt es im Erdgeschoss noch sein Büro. Im Keller gibt es zwei weitere Räume.
Nun hofft Leonard möglichst bald auch wieder mit dem Malen beginnen zu können. Peltier, der aktuell kaum mehr sehen kann, wird am 8. Juli einer Augen-OP unterzogen, deren Erfolgsaussichten recht groß seien. Bezogen auf sein Aorta-Aneurysma gibt es ebenfalls Entwarnung. Es sei aktuell in keiner besorgniserregenden Größe mehr. Und so macht Peltier Pläne für die Zukunft. Eine Garage will er zum Malstudio umbauen lassen und wieder beginnen künstlerisch tätig zu sein. Auch in politische Diskussionen mischt er sich ein und macht dabei seine Meinung zu Rassismus, die anhaltenden Verbrechen an der Indigenen und zum Thema Umweltzerstörung deutlich. Mit klaren Worten kritisiert er dabei kapitalistische Gier, eine die Reichen noch reicher machende Politik und die weltweiten Menschenrechtsverletzungen und Kriege. Mit großen Sorgen blickt er dabei auch auf die Alltagsprobleme des Reservationslebens, vor allem bezogen auf deren Folgen für Kinder und Jugendliche. Seit seinem 20 Lebensjahr wollte er „seinen Leuten“ helfen und dies sei auch heute noch sein Wille. Die epidemischen Selbstmordraten unter jungen Reservatsbewohner*innen, der zunehmende Konsum harter Drogen, Armut und Perspektivlosigkeit würden einen negativen Kreislauf für viele junge Menschen bedeuten. Hier wolle er aktiv werden und den Aufbau von Selbstmord-Prävention sowie von Jugendmusikprojekten unterstützen. Wohlwissend, dass wir als Organisation auch in anderen Reservationen solche Projekte mit aufgebaut bzw. unterstützt hatten, daher seine Bitte an uns, ihn hierbei zu unterstützen. Die ersten zwei Akustik-Gitarren haben wir bereits dagelassen und zugesagt, mit ihm gemeinsam am Aufbau der o.g. Projekte zu arbeiten. Das bedeutet natürlich auch, dass wir in Deutschland bzw. Europa diesbezüglich wieder eine Spendenaktion starten. Dann richtete Leonard Peltier gezielt an all seine deutschen und europäischen Unterstützer*innen seinen großen Dank aus. Er weiß, dass in Deutschland, sowohl in der ehemaligen DDR als auch in der früheren BRD, sich zehntausende Menschen für seine Freiheit mit viel Ausdauer und Engagement engagiert hatten. Er weiß auch, dass in anderen europäischen Ländern ebenfalls bis zuletzt Solidarität gezeigt wurde. Dabei war es sicherlich wichtig, dass die europaweite Solidarität als koordinierte Aktionen auch in den USA wahrgenommen wurden. Es sei eben auch diese internationale Solidarität gewesen, die die Tore der Haftanstalt für ihn öffneten. Hierfür sei er für immer dankbar.
English: On 24 June, we visited Leonard once more to say Toksa ake for this time. It had been four intense and informative days, with a total of 25 hours of conversations, discussions, shared meals and a visit to the Sun Dance. The farewell was visibly painful for all of us. But we will work more closely together in the future than ever before. That is his wish for us and our promise as an association and as individuals. After saying toksa, we drove 10 hours to Rapid City (South Dakota) and will continue tomorrow to the Pine Ridge Reservation to help the Oglala Commemoration Committee with the preparations for what is likely to be the last Oglala Commemoration Day. Thank you for your trust, for sharing your knowledge and your time, and for your friendship, Leonard.
The current situation of Leonard Peltier: Leonard Peltier lives under the restrictions of house arrest until 2040 (when he would be 95 years old), but legal action is now being taken against this. He is quite optimistic about his chances. Despite all the restrictions imposed by house arrest, he is doing well. He can make phone calls at any time, receive guests by appointment and, with prior notification, leave his home within a radius of 160 km to go shopping, visit the doctor, attend meetings and ceremonies, although he is dependent on his 24-hour support service. He must apply for any further trips. Surrounded by meadow and trees, he has been provided with a small, comfortable house equipped with everything he needs. Many of his paintings adorn the walls. The house exudes cosiness. In addition to a kitchen, bathroom, living room and bedroom, there is also his office on the ground floor. There are two further rooms in the basement.
Leonard now hopes to be able to start painting again as soon as possible. Peltier, who can currently hardly see anything, will undergo eye surgery on 8 July, which has a good chance of success. There is also good news regarding his aortic aneurysm. It is no longer of a worrying size. And so Peltier is making plans for the future. He wants to convert a garage into a painting studio and start working as an artist again. He also gets involved in political discussions, making his views on racism, the ongoing crimes against indigenous peoples and environmental destruction clear. He clearly criticises capitalist greed, policies that make the rich even richer, and global human rights violations and wars. He is also very concerned about the everyday problems of life on the reservation, especially their impact on children and young people. Since the age of 20, he has wanted to help ‘his people,’ and this remains his goal today. The epidemic suicide rates among young reservation residents, the increasing use of hard drugs, poverty and a lack of prospects mean a negative cycle for many young people. He wants to take action here and support the development of suicide prevention and youth music projects. Knowing that we as an organisation had also helped to set up and support similar projects in other reservations, he asked us to support him in this endeavour. We have already left the first two acoustic guitars behind and promised to work with him to set up the above-mentioned projects. This means, of course, that we will be launching another fundraising campaign in Germany and Europe. Leonard Peltier then expressed his heartfelt thanks to all his German and European supporters. He knows that tens of thousands of people in Germany, both in the former GDR and in the former FRG, have campaigned for his freedom with great perseverance and commitment. He also knows that solidarity was shown in other European countries until the very end. It was certainly important that the Europe-wide solidarity was also perceived as coordinated action in the USA. It was this international solidarity that opened the gates of the prison for him. He is forever grateful for this.













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