Atompolitik

16. Januar 2011

Stellungnahme von Tokata – Leonard Peltier Support Group RheinMain – Verein zur

Unterstützung indianischer Jugend-, Kultur- und Menschenrechtsprojekte e. V.

 

Was haben Antiatomwiderstand, antikapitalistischer Globalisierungsprotest und Menschenrechtsbewegungen gemeinsam?

Skepsis und Rückfragen sind angebracht, denn zu oft wurden in Vergangenheit indianische Anliegen für andere politische Ziele instrumentalisiert. Dies ist weder unsere Absicht, noch unser  Stil. Doch wir wollen  im Rahmen der Diskussion über Atomenergie und Atompolitik darauf hinweisen, dass die Begründung des  Antiatomwider-stands sich nicht nur darauf konzentrieren kann , wo morgen etwa der nächstmögliche GAU  stattfinden könnte, wann der nächste Castor rollt oder dass die Frage der Endlagerung nicht geklärt ist. Unser Widerstand legitimiert sich vor allem auch dadurch, dass bereits seit langem die Lebens- und Überlebensbedingungen ganzer Völker durch die Folgen nuklearer Nutzung nachhaltig negativ belastet und beeinträchtigt werden. Vor dem Hintergrund weltweiter Handelsübereinkommen, die auch den Energiesektor und somit den grenzüberschreitenden Nuklearstromhandel betreffen werden, wird die Lage in den Uranabaugebieten für die dort lebenden Menschen immer aussichtsloser. Ihre Lebensbedingungen jedoch geraten aus dem Fokus öffentlicher Wahrnehmung, ihr Leben und ihre Gesundheit werden zynisch politischen Macht- und ökonomischen Profitmaximierungsinteressen untergeordnet – hier verbinden sich  Antiatomwiderstand, antikapitalistischer Globalisierungsprotest und Menschenrechtsbewegungen : this earth is not for sale – basta.

Uran ist die Wurzel des atomaren  WAAhnsinns

Tokata – LPSG RheinMain e. V. als Menschenrechtsgruppe, die sich für die Freilassung des  seit 35 Jahren zu Unrecht inhaftierten indianischen Menschenrechtlers und politischen Gefangenen Leonard Peltier und anderer politischer Gefangener in den USA (z.B. Mumia Abu-Jamal) und für die Unterstützung indianischer Menschenrechts-, Selbsthilfe-, Jugend- und Kulturprojekte einsetzt, unterstützt den Protest gegen die herrschende Atompolitik und Atomwirtschaft – hierzulande und überall – weil am Anfang und zum Teil auch am Ende des nuklearen Kreislaufs vor allem indigene Völker (z.B. in Australien, Afrika, USA, Kanada, aber auch in den GUS-Staaten) durch Uranabbau  und Endlagerung betroffen sind: durch Verstrahlung von Luft und Wasser, Vergiftung der Nahrungskette, Verstrahlung aufgrund gesundheits- und lebensgefährdenter Arbeitsbedingungen beim Uranabbau, toxische Umweltbelastung durch Chemikalien als Folge der Uranverarbeitung.

Während hierzulande strahlende Partikel (hot spots) an Castoren zu einem dreijährigen Transportstop führten, leben in den Uranabbauregionen Arizonas, Süd-Dakotas (beide USA) und Saskatschewans (Kanada) Teile der Hopi, Navajo (Dineh), Lakota/Dakota (Sioux), Cree, Chippewa und Dene in radioaktiv verseuchten Reservationsgebieten. International tätige Konzerne hinterlassen in den genannten Regionen radioaktiv strahlende Abfälle, Probebohrlöcher und Abbaugebiete, die Wasser und Luft, Pflanzen, Wild und Vieh vergiften und Leben und Gesundheit der dort  lebenden Menschen bedrohen. (Beispiele: so liegen in Pine Ridge Reservation/Süd-Dakota die gemessenen Radioaktivitätswerte des Grund- und Oberflächenwassers ein mehrfaches über dem erlaubten Grenzwert;  im Navajoreservat wurden Wohnhäuser aus uranhaltigem Baumaterial –Abfallprodukte des Uranabbaus- gebaut. Die darin lebenden Familien, vorwiegend Native Americans oder Angehörige der Arbeiterklasse, erkrankten) Die schon seit langem bekannten und nachweisbaren Folgen:

– auffällig hohe Zahlen von Fehl- und Todgeburten sowie Missbildungen in Süd-Dakota und Nord-

Saskatschewan.

– das Jobwunder endete  für viele Navajo- und Dene-Uranminenarbeiter aufgrund fehlender  bzw.

unzureichender Arbeitsschutzmaßnahmen und mangels Risikoaufklärung tödlich

– Western-Schoschone-Indianer leben in den kontaminierten Atomtestgebieten Nevadas, zu

dem drohte  ihnen bis zum Amtsantritt B. Obamas ein gigantisches Endlager für hochradioaktive Abfälle

Den atomaren WAAhnsinn an der Wurzel packen

Dies ist sie, die nach wie vor unendliche Geschichte der Folgen atomarer Nutzung für die indigenen Völker Nordamerikas. Ein Ende ist nicht in Sicht, denn 70% der Welturanvorkommen liegen auf bzw. unter Land indigener Völker. Und vor allem Deutschland importiert 99% des Urans aus dem Ausland.

Durch die Bundesregierung angeregte und subventionierte deutsche Unternehmen und ihre z.T. ausländischen Tochterfirmen sind weltweit an Uranabau und Uranverarbeitung beteiligt.  Der hiermit verbundene Beitrag  zum schleichenden Völkermord an indigenen Völkern wird billigend und zynisch in Kauf genommen. Atompolitik ist und bleibt somit stets auch Völkermordpolitik!!!

Der nukleare Kolonialismus der Industrienationen setzt sich kaltblütig und gleichgültig über hohe Krebs- und Leukämieraten, hohe Raten an Tod- und Fehlgeburten, Missbildungen und Behinderungen hinweg. Die indianischen Völker Nordamerikas, wie auch andere indigene Völker, zahlen mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben für die Profitgier der Atomwirtschaft, die Nationalinteressen der Regierungen, für den übersteigerten Energiebedarf der Industrienationen und für unsere maßlosen Konsum- und Statusbedürfnisse. Während wir über Szenarien eines  möglichen Strahlentodes  hierzulande noch spekulieren, ist dieser längst Alltagsrealität für viele indigene Völker – tagtäglich und zum Teil, ohne dass diese Menschen dies wissen.

Die Atompolitik angreifen, denn dieser Atomkonsens ist tödlicher Nonsens

Ein Ausstiegsszenario, wie das einst von der rot-grünen Bundesregierung ausgehandelte, ignoriert diese tödlichen Folgen und reicht keinesfalls als Forderung aus. Die 2010 durch die schwarz-gelbe Atommafia beschlossene Laufzeit nahm billigend Krankheit und Tod von Menschen in den Uranabbaugebieten in Kauf und problematisiert diesen Zusammenhang auch nach Fukushima 2011 nicht.  Die herrschende weltweite Atomlobby  ignoriert die Proteste indianischer Sprecher  gegen atomare Rüstung und Kriegsführung. Menschen- und Bürgerrechte sind auch hierzulande anderen Interessen der Regierungspolitik nachgeordnet. Unser Kampf gegen Atomenergie hierzulande ist daher auch ein Beitrag den Kampf indianischer AktivistInnen  gegen  jede Form von Kolonialismus und somit auch nuklearen Kolonialismus und Völkermord zu unterstützen.

Es geht im Kampf gegen den atomaren WAAhnsinn nicht nur um spekulative Negativfolgen morgen und übermorgen im Wendland oder anderswo in unserem Hightech- und Freizeitpark EUROPA. Es geht um die ganz  real existierenden tödlichen Folgen im Hier und Heute indigener Völker. Und hier kann es keine Kompromisse geben. Unsere Solidarität und Unterstützung im Kampf gegen Atomenergie und Atompolitik gilt allen betroffenen Menschen und allen aktiven ProtestlerInnen – ob im Wendland, in der Ukraine, in South-Dakota, Arizona und anderswo. Menschenrechte haben zumindest eines mit atomarer Strahlung gemeinsam – sie kennen keine Grenzen – unser Widerstand übrigens auch nicht.

We will resist!!!

                                                          den Herrschenden Flagge zeigen – Atomenergie abschalten – Leonard Peltier befreien – jetzt